Osnabrück - Das katholische Bistum Osnabrück will Priestern, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, das Gehalt bis auf 1.000 Euro kürzen. „Wir beabsichtigen, eine entsprechende Regelung einzuführen, müssen das aber zuerst noch rechtlich abklären“, sagte Sprecher Hermann Haarmann am Donnerstag. Von den 1.000 Euro würden noch Beiträge etwa für die Krankenversicherung und Miete abgezogen, so dass den Priestern zum Leben kaum mehr als der Sozialhilfesatz bliebe. Es würde aber jeder Einzelfall überprüft.

Hintergrund ist der Fall des heute 85-jährigen Priesters, der zwischen den 1960er und 1990er Jahren in vier Gemeinden im Emsland und im Landkreis Osnabrück mindestens 16 Kinder missbraucht haben soll. Das Bistum geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Es will in Rom die Entlassung des Priesters aus dem Klerikerstand erreichen. Das hat der Vatikan bereits einmal abgelehnt. Sollte auch ein weiterer im Januar gestellter Antrag abgelehnt werden, sollte wenn möglich die neue Regelung Anwendung finden, erläuterte Haarmann.

Bei einer Entlassung aus dem Klerikerstand würden ohnehin alle Zahlungen eingestellt. Der heute in einem Altenheim lebende Priester wurde nach Angaben des Bistums mit drei Taten konfrontiert und hat sie zugegeben. Alle bisher öffentlich gewordenen Taten sind strafrechtlich bereits verjährt. Zuerst hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ über die Gehaltskürzungen berichtet.

Unterdessen hat Justizministerin Barbara Havilza (CDU) die Kooperationsbereitschaft der niedersächsischen Bistümer in Missbrauchsfällen gelobt. Sie hätten den Ermittlungsbehörden umfassenden Zugang zu den erforderlichen Unterlagen gewährt, sagte Havliza bei einer „Aktuellen Stunde“ im Landtag in Hannover. „Die umfassende Aufklärung der im Raume stehenden Vorwürfe ist selbstverständlich Aufgabe der Justiz und nicht der Kirche.“ Die Staatsanwaltschaften Hildesheim und Osnabrück haben nach Sichtung der Akten eigenen Angaben zufolge jeweils zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat unterdessen das am Mittwoch vorgestellte Konzept des Bistums Osnabrück zur Aufklärung und Vorbeugung von sexuellem Missbrauch durch Priester gelobt. Es dürfe aber nicht beim Konzept eines einzelnen Bistums bleiben, sagte Christian Weisner vom Bundesteam der Gruppe dem niedersächsischen Sender Radio ffn in Hannover. Notwendig sei ein gemeinsames Konzept aller deutschen Bischöfe. Bisher gebe es einen Flickenteppich, weil kein Bischof an Weisungen gebunden sei.

Er wünsche sich, dass die Deutsche Bischofskonferenz das Osnabrücker Konzept für alle Bistümer „als Ganzes übernehmen würde“, sagte Weisner. Die Konferenz kommt vom 11. bis 14. März zu ihrer Vollversammlung in Lingen im Emsland zusammen. Allerdings nähmen viele Bischöfe das Problem immer noch nicht ganz so wichtig.

Bischof Franz-Josef Bode hatte am Mittwoch erklärt, in allen Bereichen von der Prävention bis zu Grundsatzfragen der katholischen Kirche stärker als bisher mit externen Experten zusammenarbeiten zu wollen.