OSNABRüCK - Die Gänse können über ein Satelliten-System geortet werden. Binnen Stunden werden Zugwege auf Karten im Internet sichtbar gemacht.

Von Hans Drunkenmölle

OSNABRÜCK - Wissenschaftler der Universität Osnabrück gehen neue Wege in der Wildgänse-Forschung: Mit Satellitenüberwachung wollen sie mehr über das weitgehend unbekannte Zugverhalten von Blessgänsen erfahren, die in großen Zahlen auch in Weser-Ems überwintern. Stars des Projektes sind die vier Gänse „Alco“, „Bjouke“, „Harry“ und „Evert“. Sie sind mit Sendern auf dem Rücken ausgestattet worden, die die Vögel über das GPS-System mehrmals täglich orten und die Daten über Satelliten senden. „Nils Holgersson schickt uns E-Mails“, erläutert der Osnabrücker Biologe Dr. Helmut Kruckenberg vom europäischen Blessgans-Forschungsprojekt, der damit an die von Kinderbuchautorin Selma Lagerlöf beschriebenen Reiseabenteuer des kleinen Jungen auf dem Rücken der Gans Martin erinnert. An dem Forschungsprojekt sind auch Wissenschaftler aus Holland, Belgien, Großbritannien und Russland beteiligt.

Viele tausend Kilometer trennen die Blessgänse momentan von ihrer Heimat in der hohen Arktis im russischen Norden. Um dem strengen Frost und den hohen Schneelagen dort zu entkommen, ziehen sie alljährlich mehr als 4000 Kilometer nach Westeuropa, Ungarn, den Irak und Iran oder Kasachstan. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sie diese langen Strecken bewerkstelligen, welche Zugwege sie dabei benutzen und auf welche Zwischenrastplätze sie angewiesen sind. Mit moderner Mikroelektronik kann der Vogelzug im Detail nachvollzogen werden. Binnen Stunden sind die Zugwege auf Karten im Internet sichtbar.

Die Test-Gänse werden in den Niederlanden mit einer traditionellen friesischen Methode gefangen, die seit mehr als 500 Jahren überliefert ist. Früher diente diese Methode, bei der Wildvögel mit trainierten Lockvögeln angelockt und mit Klappnetzen gefangen werden, den „Ganzenflappern“ als Lebensunterhalt. Seit den 1980er Jahren ist die Jagdmethode in den Niederlanden verboten und wird nur noch als wissenschaftliches Projekt betrieben.

So werden zeitgleich nicht nur einige Gänse mit Sendern ausgestattet, sondern auch viele hundert beringt. „Die Sender sind eine gute Ergänzung zur Beringung“, sagt Kruckenberg, „Die von uns benutzten Halsmanschetten sind im Feld ablesbar und erbringen Daten über den Zug und die Verteilung von sehr vielen verschiedenen Vögeln“. Während durch die intensive Beringung bei Vögeln wichtige Daten über Altersstruktur, Bruterfolg und Sterblichkeit sowie über viele Verhaltensaspekte gewonnen werden, ermöglichen es die Sender, einige Vögel sehr intensiv zu studieren. „Allerdings ist diese Arbeit ausgesprochen aufwändig und kostspielig“, sagt Kruckenberg.

Die Reise der vier Gänse soll über ein komplettes „Gänsejahr“ bis zum Sommer 2007 verfolgt werden. Danach fallen die Sender, die mit einem kleinen Rucksacksystem auf dem Rücken der Gänse befestigt sind, von alleine ab.

Informationen zum Projekt: www.blessgans.de