OSTERSCHEPS - „Kirchen sind für unsere Kinder besondere und vielfältige Orte des Lernens“, sagt Anja Bredehorn, Erzieherin im evangelischen Jonathan-Kindergarten Osterscheps. „Die Mädchen und Jungen erfahren dabei, dass Kirchen mehr sind als Gotteshäuser, in denen man leise auf der Bank sitzen muss und nicht toben darf. Kirchen sind besondere Orte des Ausprobierens, Lernens und Kreativseins. Denn bei unseren Kirchenbesuchen beschäftigen wir uns nicht nur mit biblischen Geschichten und der christlichen Kultur, sondern auch mit dem eigenen Verhalten in dem besonderen Raum Kirche, mit Werte und Normen, mit den baulichen Besonderheiten der Gotteshäuser, mit der Entstehungsgeschichte von Kirchen, mit den Festen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten, mit Kirchenmusik und vieles mehr.“
Schon seit vielen Jahren gehören Kirchenbesuche zur religionspädagogischen Arbeit der Schepser Kindertagesstätte. „Einmal im Monat lernen jeweils 16 verschiedene Osterschepser Kindergartenkinder aus unterschiedlichen Altersstufen Kirche außerhalb von Gottesdiensten kennen“, ergänzt die Edewechter Pastorin Regina Dettloff, die die Kindergruppe an den Kirchentagen zusammen mit zwei Erzieherinnen und interessierten Eltern begleitet. Meistens fahre man zur Edewechter St. Nikolai-Kirche, aber auch die Martin-Luther-Kirche in Süddorf und die Kapelle in Westerscheps würden mit den die Drei- bis Sechsjährigen besucht. In der katholischen Kirche in Edewecht sei man zudem schon zu Gast gewesen.
Ein Thema pro Besuch
Jeder Kirchenbesuch verlaufe nach einem ähnlichen Schema. Nach einem Begrüßungskreis im Altarraum, dem Anzünden der Kerzen und einem Gebet widme man sich eine Stunde lang einem besonderen Thema. Dabei lernten die Kinder von den Erwachsenen, aber auch die Erwachsenen von den Kindern, hat Pastorin Dettloff festgestellt. „Gerade die Leidensgeschichte Jesu, die auf unserem Altarbild in St. Nikolai dargestellt ist, bietet viel Gesprächsstoff. In diesen Gesprächen wird uns als Erwachsene immer wieder deutlich, dass sich Welt für Kinder einfacher erschließt als wir vermuten, dass wir Erwachsene vielfach zu kompliziert denken und dass es für Kinder selbstverständlich ist, dass es keine heile Welt gibt und Gut neben Böse existiert.“
Biblische Themen seien ein Aspekt dieser Kirchenbesuche, vermittelt werde auf kindgerechte Art und Weise jedoch vieles mehr. Dazu gehörten auch naturwissenschaftliche und mathematische Kenntnisse, so Erzieherin Bredehorn. „Wir erforschen zum Beispiel auch, wie viele Kinderfinger nebeneinander in die Taufschale passen, oder wie viele Kinder man benötigt, um die Länge und Breite der Kirche zu ermitteln oder die Orgel zu umarmen.
Apropros Orgel: „Sie ist mit ihren Registern, ihren Tasten und Pedalen ein faszinierendes Instrument für die Kinder“, berichtet Anja Bredehorn. Staunen würden die Mädchen und Jungen, wenn ihnen Musiker Ralf Behrens erläutere, wie die Orgeltöne entstünden. Dazu setze er eine Blockflöte mit ihrem Mundstück auf den Schlauch eines Blasebalgs. Die Kinder könnten so selbst erfahren, wie man nach dem Orgelprinzip mit Hilfe des Blasenbalgs aus den Flöten Töne erzeugen könne.
„Die Kirchenbesuche beschäftigen unsere Mädchen und Jungen und werden auch vor- und nachbereitet“ sagt Erzieherin Anja Bredehorn. So würden die Kinder z.B. ihre Eindrücke malen oder aus verschiedenen Materialien Kirchenfenster gestalten, nachdem man die verschiedenen Fenster beim Kirchenbesuch kennengelernt habe.
St. Nikolai vorstellen
„Im Laufe unserer Arbeit mit den Kindern und Eltern, die uns bei den Kirchenbesuchen begleiteten, haben wir immer wieder wiederfestgestellt, dass häufig ähnliche Fragen gestellt werden“, so Anja Bredehorn. Vor allem die Eltern hätten immer wieder erklärt, dass sie bei den Kirchenbesuchen viel Neues gelernt hätten. So sei die Idee entstanden, einen Kinderkirchenführer für die Edewechter St. Nikolai-Kirche zu entwickeln. Als erstes sei eine Kirchenmaus (Foto) entworfen worden, die die Kindergruppen auch bei den Kirchenbesuchen „begleite“.
„Diese Maus heißt in Anlehnung an den Namensgeber der St. Nikolai-Kirche Nikolaus“, erklärt Pastorin Dettloff. Der Heilige Nikolaus sei der Schutzpatron der Seeleute, von denen früher am Werftenstandort Edewecht viele gelebt hätten. Der Kinderkirchenführer, an dem derzeit gearbeitet werde und der später in St. Nikolai ausliegen solle, werde Kinderbilder, kleine Erläuterungstexte und Zeichnungen der „Osterschepser Kirchentage“ enthalten.
