OVELGöNNE - Im Handwerksmuseum Ovelgönne wurde am Sonntag die Sonderausstellung „Tagebücher, Skizzen, Briefe - übersetzt in Bildgewebe“ eröffnet. Dazu begrüßte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Gabriele Speckels 30 Gäste, darunter auch die Bildweberin Ursula Jaeger, deren Arbeiten gezeigt werden.
„Weben erfreut sich zunehmender Beliebtheit“, erläuterte Speckels. Um 1900 sei im deutsch-dänischen Grenzgebiet eine Webschule angesiedelt worden. Von dort hätte das Weben in die Landkommunen hineingewirkt, denn diese Schule sei einmalig in Europa gewesen.
Heike Hummerich, Kulturwissenschaftlerin und Mitarbeiterin des Museums, führte in die Ausstellung ein. Sie erläuterte die Kunstwerke und den Werdegang von Ursula Jaeger.
Jaeger hat in ihrer Heimatstadt Schwerin eine Weberlehre gemacht. In Berlin studierte sie an der Hochschule für Kunsthandwerk und schloss das Studium als Diplom-Textildesignerin ab. Danach arbeitete sie in der Textilindustrie und war einige Jahre in Amerika. Ihr eigenes Atelier eröffnete sie 1973 in Bremen. Jaegers Bildgewebe wurden auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Ihre Arbeiten befinden sich in Bremer Kirchen und Museen.
Heute würden selten Briefe oder Tagebücher mit der Hand auf Papier geschrieben, so Hummerich; es überwiegten E-Mail und Internet. Mit ihren Arbeiten habe Ursula Jaeger den Versuch gewagt, einen Briefauszug, der auch Stimmungen wiedergibt, ins künstlerische umzusetzen, erklärte Hummerich.
Während des Webprozesses würden ständig Gedanken, Fantasien, Wünsche und Mitteilungen in den Webrhythmus einfließen. Mit der Verwendung von Zeichen und Symbolen fänden Textil und Text zueinander. Die Bildweberin verwende verschiedene Materialien, sie arbeite beispielsweise auch Furnierholz in ihre Kunstwerke mit ein. Die Werke seien alle Unikate. In der Ausstellung sind gemalte und gewebte Briefe zu sehen. Ein Film informiert über die Entstehung der Arbeiten.
Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 25. Mai, zu sehen. Das Museum ist dienstags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
