OVELGöNNE - Ein Patentrezept für den Umgang mit Sterbenden gibt es nicht. Die Veranstaltung beendet die Vortragsreihe über „Tod und Sterben“.
von torsten wewer
OVELGÖNNE - „Jeder stirbt seinen ganz eigenen Tod“, sagt Krankenhausseelsorgerin Birgit Pflugrad. Deshalb bestimmt auch der Sterbende, „wie es geht“. Das könne ihm niemand aufzwingen. Gemeinsam mit Vertreterinnen des Ambulanten Hospizdienstes im Kirchenkreis Stedingen und dem Allgemeinmediziner und Psychotherapeuten Dr. Werner Even (Ovelgönne) spricht Pflugrad auf Einladung der Kirchengemeinde Großenmeer zum Abschluss der Vortragsreihe über „Tod und Sterben“ am Dienstagabend über den Umgang mit Sterbenden.Schnell wird deutlich, dass es keine Patentrezepte gibt im Umgang mit Sterbenden. Und dass oftmals zwischen Sterbenden und deren Angehörigen große Unsicherheit herrscht – auf beiden Seiten. Pastorin Pflugrad rät zur Offenheit: „Sterben ist der Moment, wo man die Wahrheit sagen darf“. Dies gelte für den Sterbenden ebenso wie für die Angehörigen. Doch die (verbale) Auseinandersetzung mit Sterben und Tod setzt nach Ansicht der Seelsorgerin voraus, dass jeder sich beizeiten mit dem eigenen Tod, mit der eigenen Sterblichkeit und den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten auseinander gesetzt hat.
Dr. Even hat in seiner Arbeit festgestellt, dass der „Prozess des Sterbens“ viel angstbesetzter ist als das Sterben selbst; etwa, weil Sterben den Verlust der Familie bedeute. Sterbende wünschten sich daher Geborgenheit, Sicherheit und Zuwendung.
Das können Angehörige nicht immer leisten. Entweder aufgrund eigener Ängste oder weil Sterbende darüber nicht mit den ihnen Nahestehenden sprechen können. Beides haben Ingeborg Stecker (Moorseite) und Hildegard Dettmers (Rodenkirchen) als ehrenamtliche Hospizmitarbeiterinnen des beim Diakonischen Werkes Wesermarsch angesiedelten ambulanten Hospizdienstes erlebt. „Es spielt sich viel vor der Tür ab“, so Stecker. So sind die Frauen oft gefragte Gesprächspartnerinnen. Sterbende, sind ihre Erfahrungen, haben oft noch etwas mitzuteilen oder wollen noch letzte Dinge regeln.
Tod und Sterben sind noch immer ein Tabu, zitiert eingangs Pastor Dr. Sven Evers, der die Referenten eingeladen hatte, aus einer aktuellen Umfrage. Dies gelte für alle Altersschichten. Umso mehr seien Informationsabende wie dieser notwendig, damit über Tod und Sterben offen(er) gesprochen wird.
