OVELGöNNE - OVELGÖNNE - Alljährlich wird am letzten Tag im April von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Ovelgönne auf dem Marktplatz ein Maibaum gesetzt. Früher, berichtet Heimatforscher Walter Folter, gab es im Anschluss an das Maibaumsetzen einen Feuerwehrball im Hotel ,Zum König von Griechenland‘ mit Tanz in den Mai. Nicht nur diese Tradition ist verloren gegangen, so Folter, sondern auch die des Maisingens.
Zur damaligen Zeit, hat Folter recherchiert, leerte sich kurz vor Mitternacht der Saal zusehends: Der Liedervater rief die Mitglieder der Musikvereinigung Ovelgönne zum Maisingen.
Dies geschah zuletzt unter der Leitung des Chorleiters Dr. Paul Pieloth. „Die Sängerinnen und Sänger versammelten sich vor der Burg-Apotheke. Viele Ovelgönner hatten sich auf dem Marktplatz eingefunden. Pünktlich nach dem letzten Glockenschlag der Uhr auf dem ehemaligen Landgericht erklang das schöne Lied ,Der Mai ist gekommen‘“, erzählt Folter. Und weiter: „Der gemischte Chor sang noch ein oder zwei andere Frühlingslieder, um dann mit einem ,haltet Frau Musika in Ehren, zu enden.“ Danach seien alle in den Saal des Hotels zurückgekehrt und hätten vergnügt in den Mai getanzt. „Schade, dass es so etwas in der heutigen Zeit bei uns nicht mehr gibt, ein Stück Kultur ist damit verloren gegangen“, bedauert der Heimatkundler.
Die Tradition des Maisingens ist nach Folters Recherchen aber nicht erst von der am 3. Oktober 1946 neu gegründeten Musikvereinigung Ovelgönne eingeführt worden. Diese habe die Tradition „lediglich wieder aufleben lassen.“
Schon aus der Zeit um 1880 ist bekannt, erzählt Folter, dass ein Ovelgönner Gesangverein den Mai besungen hat und sich „ an Festlichkeiten anderer Vereine mit seinem Liedgut beteiligte.“
Der im Jahre 1899 gegründete Männergesangverein „de Singers“ unter der Leitung von Dr. Hermann Frank habe die Tradition des Maisingens ebenfalls ausgeübt, wie zeitgenössische Presseberichte belegen.
In der Nacht zum 1. Mai 1930 etwa kam es dabei zu einer besonderen Überraschung der Ovelgönner Sängerschar, als plötzlich auf ihren Gesang eine musikalische Antwort ertönte. Des Rätsels Lösung: Die „Braker Liedertafel“ besuchte unverhofft die „Singers“ – und man verlebte gemeinsam ein paar fröhliche Stunden.
