Locarno - Stars wie Jane Birkin, Stefania Sandrelli und Harvey Keitel am roten Teppich, Matt Damon und Alicia Vikander auf der Leinwand haben bisher beim 69. Internationalen Filmfestival Locarno für Jubel gesorgt. Ein Glanzlicht setzte nun das deutsche Kino mit der Uraufführung des Spielfilms „Paula“ von Regisseur Christian Schwochow.
Die Schweizer Schauspielerin Carla Juri („Feuchtgebiete“) spielt überaus faszinierend die berühmte Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907) in dramatischen Lebenssituationen.
„Paula“ gehört zum Programm der Freiluftaufführungen für bis zu 9000 Zuschauer auf der Piazza Grande, dem Marktplatz der Kleinstadt am schweizerischen Ufer des Lago Maggiore. Der Film läuft außerhalb des Wettbewerbs, aber hat die Chance, den Publikumspreis zu gewinnen.
Im Wettbewerb liegt bisher das bulgarische Sozialdrama „Slava“ („Glory“) in der Gunst der Festivalbesucher vorn. Mit Spannung werden die in den nächsten Tagen laufenden deutschen Beiträge, so „Der traumhafte Weg“ von Angela Schanelec, erwartet.
Die Chancen der durch die „Berliner Schule“ bekannt gewordenen Regisseurin stehen schon allein deshalb gut, weil ihre bisherigen Filme, wie „Orly“ (2010), stets inhaltliche Brisanz und formalen Einfallsreichtum zugleich boten. Damit könnte sie genau den Erwartungen der von dem mexikanischen Regie-Star Arturo Ripstein (72) angeführten Jury entsprechen.
Neben der deutschen Produktion von Angela Schanelec gehen in der zweiten Festivalhälfte auch zwei internationale Gemeinschaftsproduktionen mit starker finanzieller Beteiligung deutscher Produzenten ins Rennen um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden: die deutsch-schweizerische Koproduktion „Marija“ des Schweizers Michael Koch und die rumänisch-deutsche Koproduktion „Vernarbte Herzen“ des Rumänen Radu Jude.
Das Festival, das in seinen verschiedenen Sektionen vor allem Filme noch unbekannter Autorinnen und Autoren präsentiert, wird bisher dem Ruf gerecht, eine der schönsten und wirkungsvollsten Tribünen für das junge Kino zu sein. So verwundert es nicht, dass Tausende Filmfans aus aller Welt an den Lago Maggiore gepilgert sind, in kleinen Pensionen, Jugendherbergen oder auf Zeltplätzen übernachten und viele der Filmvorstellungen belagern.
