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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Paule Witzig Im Porträt: Von Berufung Straßenmusiker

27.06.2020

Oldenburg Paule Wehdauer, Franz von Brisanz, Paule Witzig – ja, den kenn ich, denken jetzt viele. Dann kennen sie die anderen auch – und doch wieder nicht. Denn alle Namen gehören zum selben Menschen, stehen aber für unterschiedliche Facetten.

Geboren wurde er 1951 als Dieter Visser, Spross einer Emder Kaufmannsfamilie. Musik faszinierte ihn schon immer. Mit zwölf Jahren griff er zur Gitarre und mit 15 hatte er eine Band. „Wir nannten uns „Science Fiction“ und coverten alles was gerade in war: die Beatles, die Stones, The Who, Kinks, und so weiter“, erinnert sich der Mann mit den vielen Namen.

Nach der Schulzeit ist er „in eine Ausbildung zum Reedereikaufmann hineingeraten worden“ und arbeitete anschließend in dem Beruf. 1973 gründete er die Liedermacher-Band „Mosaik“, die auch bei Wettbewerben erfolgreich war. Mit 24 Jahren veränderte ein schwerer Unfall sein Leben grundlegend. „Ich lag einen Monat im Koma und habe zwei Jahre gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Anschließend habe ich versucht, wieder in meinem Beruf anzuknüpfen, aber es ist mir nie gelungen.“ Was mit Blick auf den Beruf nicht so dramatisch war, denn „das Kaufmännische war nie so mein Ding. Ich war immer der Musiker und Künstler in der Familie.“ Er litt aber jahrzehntelang unter Schlaf-, Sprach- und motorischen Störungen.

Ein Teeladen in Emden markierte den Neustart. Dort hatte er viel Kontakt zu Schülern: „Aromatisierte Tees waren in den 80er Jahren der Renner.“ Außerdem schrieb er schon länger immer wieder für die Emder Zeitung unter dem Pseudonym Paule Wehdauer. „Wehdauer steht für Schmerz von Dauer, weil ich immer über Dinge geschrieben habe, die die Jugendlichen nicht gut fanden.“

Außerdem mietete er Räume im Falkenhorst in Emden, in denen er Künstlern unter dem Motto „Paule lädt ein . . .“ ein Forum gab. Dort fanden Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt – auch von Paules immer neuen Combos.

„Um etwas für meinen Kopf zu tun, kam ich nach Oldenburg“, berichtet der Künstler. Er studierte als Gasthörer an der Uni Philosophie, Psychologie und Religionswissenschaften. „Ich kriegte mit, dass hier einer auf der Straße Musik machte, es war Waldemar. Und fragte mich, warum ich das nicht auch mache. So wurde die Musik auf der Straße meine Berufung.“ In dieser Sparte nannte er sich anfangs Franz von Brisanz.

„Bald fielen mir die Kinder auf, die stehenblieben und mir zuhörten. Ich habe für sie gespielt und gesungen: Alle meine Entchen schwimmen auf dem Bauch, schwimmen auf dem Bauch und die Mama kann das auch. „Mama, das ist witzig“, riefen die Kinder. Und so wurde ich Paule Witzig“, erzählt der Musiker, der erst viel später erfuhr, dass es auch einen Peter Lustig gab.

Seit Jahrzehnten lebt er seinen Traum als Dichter und Musiker. Viele Briefe und Karten von begeisterten Zuhörern hat er bekommen, adressiert an: Paule Witzig, Fußgängerzone Oldenburg. Zum Glück kennt die Post auch seine andere Adresse.

In der Fußgängerzone war er in den vergangenen Jahren kaum anzutreffen. Jetzt ist er gelegentlich zurück und spielt Flamenco. „Ich liebe es, im Strom der Menschen zu baden, der an mir vorüberzieht. Wenn ich Musik mache, ist es wie ein innerer Sonnenschein.“

Und er dichtet, etwa über den von vielen Vogelstimmen besungenen Frühling oder über die Sonne und Wärme, die ein geliebter Mensch in sein Haus bringt. Einige Gedichte hat er in dem Band „Paule Witzig – Jetzt wird es ernst“ zusammengefasst. Der Name des Autors deutet darauf hin, dass es wohl nicht zu ernst werden soll. Schließlich kommt es immer auf die Sichtweise an. Um mit dem Philosophen Paule Witzig zu sprechen: „Selbst Scherben können etwas Heiles verkünden, denn als solche sind sie nicht kaputt.“

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