Oldenburg/Fedderwardersiel - Um andere Menschen für das Weltnaturerbe Wattenmeer zu begeistern, legt Andreas Böttcher aus Oldenburg eine Strecke von über 800 Kilometern mit dem Fahrrad zurück. Auf seiner vierwöchigen Tour von Skallingen in Dänemark entlang der Nordseeküste zur Insel Texel in den Niederlanden machte der 51-jährige Software-Experte und leidenschaftliche Radler jetzt in Fedderwardersiel Station.
Die Idee, als radelnder Weltnaturerbe-Botschafter auf Tour zu gehen, wurde bei einem Besuch von Andreas Böttcher, der 2014 mit dem Rad von Bremen bis Füssen fuhr, im Nationalpark-Besucherzentrum in Wilhelmshaven geboren.
Anlass für die am 5. Juli gestartete Tour ist der 6. Jahrestag der Ernennung des Wattenmeeres zum Weltnaturerbe durch die Unesco. „Ich möchte mit meiner Initiative auf die Größe und grenzüberschreitende Zusammengehörigkeit des Wattenmeeres aufmerksam machen sowie das Bewusstsein der Bevölkerung vor Ort und auch der Touristen in den jeweiligen Küstenregionen für den einzigartigen Lebensraum schärfen“, erklärt Andreas Böttcher.
Ohne Navi und Karten
Kontakt zu Leuten bekommt der 51-Jährige nicht nur bei den Besuchen in den Nationalparkhäusern und Schutzstationen. Der IT-Experte ist mit einem normalen Tourenrad mit einer 21-Gänge-Schaltung ohne Tachometer und auch ohne Navigations- oder UPS-Geräte sowie ohne Routenkarten unterwegs. Der Nordsee-Radweg sei gut ausgeschildert und zudem brauche er ja nur den Deichen folgen. „Und wenn ich gar nicht mehr weiter weiß, finde ich immer nette Leute, die mir den Weg weisen“, berichtete Böttcher.
Er hat sein gesamtes Gepäck in zwei Packtaschen am Fahrrad verstaut. Zudem hat er ein Zelt dabei, denn Andreas Böttcher übernachtet als Naturliebhaber natürlich im Zelt. Nur auf Sylt musste er von diesem Vorhaben abrücken und in die Jugendherberge gehen, weil ein Sturm mit Windstärke 8 den Aufbau des Zeltes unmöglich machte.
Obwohl er als Oldenburger recht nah an der Nordsee wohnt, hat Andreas Böttcher während seiner Tour die Erkenntnis gewonnen, dass er sein Wissen um das Weltnaturerbe noch deutlich vergrößern kann. Auch habe er sich nicht vorstellen können, dass die Strecke an der Nordseeküste landschaftlich so facettenreich sei.
Engagement begeistert
Begeistert ist Andreas Böttcher vom Engagement, mit dem in den Nationalparkhäusern und Schutzstationen für das Weltnaturerbe Wattenmeer gearbeitet wird. Dies gilt auch für viele Jugendliche, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren oder sich ehrenamtlich für den Schutz des Nationalparks einsetzen.
Von seinen Erlebnissen während der Tour berichtet Andreas Böttcher täglich nur mit Hilfe eines Smartphones per Internet auf dem extra dafür eingerichteten Blog „WaddenCycle.tumblr.com“.
In Fedderwardersiel wurde der „Wochenend-Oldenburger“, wie sich Andreas Böttcher aufgrund seiner Tätigkeit bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Würzburg bezeichnet, von Dr. Anika Seyfferth, Leiterin des Nationalparkhaus/Museum, begrüßt.
Neben einer Führung durchs Haus stand eine Wanderung auf dem Naturerlebnispfad im Langwarder Groden auf dem Programm. Dort konnte der Gast sein Wissen über das Wattenmeer erweitern, denn durch die ökologische Kompensationsmaßnahme auf dem 140 Hektar großen Areal wächst das Weltnaturerbe.
Durch natürliche Überflutungen sollen im Groden Salzwiesen entstehen. Dieses Naturschauspiel kann jeder besuchen. Von Fedderwardersiel aus ging es für Andreas Böttcher, der als Veganer ein von Anika Seyfferth angebotenes Fischbrötchen ablehnte, weiter nach Sehestedt.
Am Mittwoch nächster Woche, dem 29. Juli, will der Wattenmeer- und Nordseefan seine „Wadden-Cycle-Tour“ auf Texel beenden.
