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NWZonline.de Nachrichten Kultur Personen

Interview Mit Richard Rogler: Kabarettist will trotz Bedrohung weitermachen

11.01.2015

Köln Politische Themen sind die Spezialität des Kabarettisten Richard Rogler. Auch Religion ist für ihn kein Tabu. Von dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werde er sich nicht einschüchtern lassen, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Frage: Werden Sie als Kabarettist sich jetzt wegen des Anschlags in Paris anders verhalten?

Rogler: Nein, auf keinen Fall. Ich muss mich da gar nicht neu orientieren. Ich stehe seit 40 Jahren auf der Bühne, und so lange bin ich „Charlie Hebdo“ - mit dem Riesenunterschied allerdings, dass wir es bei dem, was dort passiert ist, natürlich mit der höchsten Stufe der Brutalität und geistigen Verwirrung zu tun haben.

Frage: Sind Sie denn schon mal bedroht worden?

Rogler: Ich kenne das mein Leben lang. Das ging schon 1974 mit dem Kindertheater los, so harmlos das klingt. Da haben wir Auftrittsverbote gehabt, die Kirchen haben uns den Saal gesperrt, die Politik war gegen uns. Dann haben wir ein Stück gemacht gegen die Todesschuss-Diskussion damals, da haben wir schlimme Briefe bekommen. Ich wurde mal von Rechtsextremisten verfolgt. Was krieg ich allein von den Kirchen dauernd für E-Mails, ich werde beschimpft von allen möglichen Menschen.

Frage: Da muss man ja ein gutes Rückgrat haben, wenn man dann trotzdem weitermacht...

Rogler: Das muss man wissen, wenn man diesen Beruf wählt. Ich fühle mich als nichts besonderes, ich bin Urdemokrat und immer nach dem Prinzip vorgegangen: Wenn sich einer angegriffen oder beleidigt fühlt, soll er sich keine Sorgen machen, denn in zehn Minuten ist der nächste dran. Man kann uns ja verbal angreifen, aber ich hab auch noch keinen über die Rübe gekriegt.

Frage: Haben Sie denn keine Angst, dass das mal passiert?

Rogler: Das kann passieren. Aber es ist auch nicht so, dass wir hier ständig unter Lebensgefahr auftreten, da muss man mal die Kirche im Dorf lassen.

Frage: Gibt es Tabu-Themen für Kabarettisten?

Rogler: Sie dürfen niemals Opfer beleidigen, egal woher die kommen. Über Tote sollte man nichts schlechtes sprechen und über Randgruppen keine Witze machen. Wobei das alles auch so ein Grenzbereich ist. Man darf sich erstmal generell den Mund nicht verbieten lassen. Man muss sich politisch hart und klar äußern, damit es im Publikum auch mal Widerspruch gibt.

Frage: Über die Kirche wird ja viel gewitzelt. Aber darf man auch Satiren über den Islam machen?

Rogler: Das habe ich schon häufig gemacht. Im Moment frage ich mich allerdings oft, ob ich Extremisten damit nicht ein Forum liefere. Denn das wollen die ja. Was die jetzt in Frankreich gemacht haben, da wollen die ja, dass sich der Hass der Europäer auf die Muslime verlegt, so dass daraus wieder die Konstruktion entsteht: Siehste mal, die greifen uns dauernd an, dadurch stehen wir am Rande der Gesellschaft und dann gehen wir in den Dschihad. Ich glaube fast, dass das jetzt passiert. Im Moment stehen noch alle zusammen, aber ich weiß nicht, was in Frankreich in einigen Wochen los ist.

ZUR PERSON: Richard Rogler (65) gilt als eines der Urgesteine der politischen Kabarett-Szene in Deutschland. Der gebürtige Oberfranke begann seine Karriere vor 40 Jahren mit dem Kindertheater und trat danach mit Heinrich Pachl als Duo „Der wahre Anton“ auf. Seit 1986 steht er mit Solo-Programmen auf der Bühne. Im Fernsehen moderierte er unter anderem die „Mitternachtsspitzen“ und gehörte zum „Scheibenwischer“-Ensemble. Rogler lebt in Köln.

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