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Clint Eastwood Wird 85: Vorliebe für einfühlsame Machos

30.05.2015

Hollywood Clint Eastwood ist voller Widersprüche: knallharter Großstadt-Cop, wortkarger Westernheld und einfühlsamer Regisseur von Psychodramen. Er unterstützt die Republikaner und setzt sich gleichzeitig für liberale Anliegen wie die Homo-Ehe ein. Auf „politische Korrektheit“ legt der Ex-Bürgermeister des kalifornischen Ortes Carmel keinen Wert. Gemessen an seiner Vielseitigkeit, Beliebtheit, Schaffenskraft und der Größe seiner Trophäensammlung reicht kein anderer Hollywoodstar an den 1,88 Meter großen Schauspieler, Regisseur, Produzenten und Komponisten heran.

Schräger Auftritt

Eastwood, der an diesem Sonntag 85 Jahre alt wird, steht ungebremst im Rampenlicht. Das Scharfschützendrama „American Sniper“, sein 34. Regiewerk, spielte im Frühjahr allein in den USA fast 350 Millionen Dollar ein. Es ist Hollywoods erfolgreichster Kriegsfilm und Eastwoods bester Verdienst in seiner langen Karriere.

Der Film über den hochdekorierten US-Scharfschützen Chris Kyle ist auch Stoff für eine heftige Debatte. Für das liberale Lager war es ein patriotisches Heldenepos. Regisseur Michael Moore heizte die Debatte mit der Bemerkung an, dass die meisten Amerikaner wohl nicht glauben, dass Scharfschützen Helden seien.

Eastwood feuerte jüngst in bester Westernhelden-Manier zurück. „Alle sagten, dass ich damit gedroht hätte, Michael Moore zu töten, aber das stimmt nicht“, erklärte der Regisseur im April auf der Kinomesse CinemaCon in Las Vegas. „Aber das ist gar keine schlechte Idee“, fügte er augenzwinkernd hinzu. Nur Eastwood kann sich solche Machosprüche erlauben, ohne Ärger zu bekommen.

Auch seine bizarre „Stuhl“-Rede beim Parteitag der US-Republikaner vor drei Jahren konnte dem Image kaum schaden. Auf der Parteitags-Bühne hatte Eastwood zu einem leeren Stuhl gesprochen und einen unsichtbaren US-Präsidenten Barack Obama scharf angegriffen. Später scherzte er in der Talkshow von Ellen DeGeneres über sein Alter und seine Senilität.

Er wollte einfach nur „ein bisschen Spaß haben“, entschuldigte er den schrägen Auftritt und outete sich gleich dazu als Liberaler. Der Staat solle sich aus dem Privatleben der Bürger heraushalten, das gelte auch für die Homo-Ehe, betonte Eastwood.

Der Mann, der zu Beginn seiner Karriere als unbarmherziger Rächer in Italo-Western („Für eine Hand voll Dollar“) oder als knallharter Polizist („Dirty Harry“) Furore machte, zeigt als Regisseur längst eine einfühlsame Seite. Auf der CinemaCon-Messe im April erklärte Hollywoods sensibler Held das Westernepos „Erbarmungslos“ (1993) und das Box- und Sterbehilfedrama „Million Dollar Baby“ (2005) zu seinen Lieblingsfilmen. Seine vier Oscars gewann er als Produzent und Regisseur mit diesen beiden Werken.

Neun große Spielfilme hat er seit 2005 inszeniert, darunter die Kriegsdramen „Letters From Iwo Jima“ und „Flags of our Fathers“, das Polit-Drama „Invictus – Unbezwungen“, über Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheid. In „Hereafter – Das Leben danach“ nahm er die Zuschauer auf eine Reise ins Jenseits mit.

In die Jahre gekommen

Nach „Gran Torino“ (2008), mit seiner meisterhaften Darstellung eines sturen Kriegsveteranen, hatte Eastwood angedeutet, dass er mit der Schauspielerei Schluss machen und sich nur noch der Regie widmen wolle. Doch vor drei Jahren meldete er sich mit der Sportkomödie „Back in the Game“ als bärbeißiger, verwitweter Baseball-Scout zurück. Seine Figur ist deutlich in die Jahre gekommen, aber felsenfest davon überzeugt, noch nicht zum alten Eisen zu gehören.

Keine Frage, das trifft auch auf Eastwood zu. Der Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco ist im Herzen ein Rebell, der keine Ruhe gibt.

Kinotrailer „Ein Fremder ohne Namen“ auf Youtube:

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