Harkebrügge - Behutsam reicht Willehard Schomberg seinem Auszubildenden Alexander Budde eine der großen silberfarbenen Pfeifen herunter. Budde nimmt sie entgegen und legt sie vorsichtig in ein provisorisches Regal, das neben der Orgel aufgebaut ist.
Der Orgelbaumeister aus Kamperfehn und sein Azubi sind gerade dabei, die Orgel in der Kirche St. Marien in Harkebrügge einer Grundreinigung zu unterziehen.
„Das muss alle 20 bis 25 Jahre gemacht werden“, erklärt Schomberg. „Im Laufe der Zeit setzt sich Ruß von den Kerzen in den Pfeifen ab.“ Auch Schimmel entsteht durch die feuchte, kalte Luft in der Kirche. Bei Wartungsarbeiten sei ihm die Verschmutzung aufgefallen. Über 2000 Pfeifen besitzt die 1990 gebaute Orgel. Alle werden einzeln herausgenommen und mit Druckluft, Flaschenbürsten und Reiniger saubergemacht. Auch das Orgelinnere wird geputzt. „Schimmel breitet sich besonders gerne in dunkler und feuchter Umgebung aus“, sagt Orgelbauer Schomberg.
Die Pfeifen aus Metall und Holz werden von den beiden Fachmännern nicht nur gereinigt, sondern auch klanglich fit gemacht und Fehler in den Pfeifen korrigiert sowie Verschleißteile ausgetauscht. Die Orgel wird somit rundum auf Herz und Nieren geprüft – im wahrsten Sinne des Wortes. „Der Motor und der Balg bilden die Lunge der Orgel, die Windladen sind das Herz, der Spieltisch mit der Tastatur das Gehirn und die Traktur sind die Nervenbahnen“, klärt Schomberg über die Anatomie des großen Instrumentes auf. Da die Arbeiten etwa drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen werden, ist für die Gottesdienste als Ersatz zurzeit ein Harmonium bereitgestellt.
Etwa 13 000 Euro werden die Arbeiten nach Angaben des ehemaligen Kirchenprovisors Johannes Geesen kosten. „Die Kirchengemeinde St. Ansgar benötigt für die Finanzierung noch rund 6000 Euro an Spenden“, erklärt Geesen.
Dann wird die Orgel wieder in bestem Klang zu hören sein.
