Bremen - Eine Altenpflegerin hat ein wertvolles Gemälde von Otto Modersohn aus der Wohnung einer alten Dame gestohlen. Auch zwei weitere Kunstwerke ließ die 61-Jährige mitgehen. Allerdings stellte sie sich so ungeschickt an, dass der Diebstahl kurz darauf aufflog. Die Polizei konnte inzwischen das Original des Mitbegründers der Künstlerkolonie in Worpswede und ein anderes Bild in Hannover und im Ostseebad Kühlungsborn sicherstellen. Das dritte Werk wird noch vermisst.

„Das ist ein sehr außergewöhnlicher Fall“, sagte Polizeisprecherin Ines Roddewig am Dienstag. Die bettlägerige 85-Jährige zeigte den Diebstahl des Modersohn-Bildes im Dezember bei der Polizei an. Schnell fiel der Verdacht auf die Pflegerin, ein Video aus der Überwachungskamera überführte sie dann auch. Die 61-Jährige gab schließlich zu, noch zwei andere Kunstwerke entwendet zu haben. Deren Wert liegt nach Angaben der Polizei im hohen vierstelligen Bereich.

Die Gemälde verkaufte die Pflegerin an einen Kunsthändler, der der Polizei später half, ein Teil des Diebesguts wieder zu beschaffen. Gegen ihn ermitteln die Fahnder allerdings nicht. „Die Frau hat auf ihn nicht verdächtig gewirkt“, sagte Roddewig. Wer ein Gemälde verkaufe, müsse nur mit einer Unterschrift nachweisen, dass einem dieses gehöre. Der Pflegerin droht dagegen ein Prozess. Die Polizei wird in einigen Tagen die Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben, die über eine Anklage entscheiden muss.

Die beiden wiedergefundenen Kunstwerke hängen wieder in der Wohnung der 85-Jährigen. Das Original von Otto Modersohn (1865-1943) zeigt ein für den Maler typisches Motiv: eine Landschaft mit einem Bach und Bäumen. Dass ein so kostbares Gemälde bei jemanden einfach so zu Hause hängt, überrascht Kunstexperten nicht. Modersohn schuf bis zu seinem Tod mit 78 Jahren einige Tausend Gemälde. „Davon befindet sich ein Großteil in Privatbesitz und davon zahlreiche in Bremen“, sagte einer der Leiter des Otto Modersohn Museums in Fischerhude, Rainer Noeres. Seit mehr als 30 Jahren arbeiten die Museumsexperten an einem Werkverzeichnis, das aber immer noch nicht vollständig ist. „Nicht alle Privatbesitzer melden ihre Gemälde bei uns.“