Wildeshausen - Laute Bassgeräusche ist das Gildezelt gewohnt. Doch das Klopfen am Donnerstagnachmittag ist neu. Es ist das Klopfen von Holz auf Holzboden. Es sind die 370 Pilger, die sich nach und nach mit ihren Pilgerstäben im Zelt einfinden. Hinter ihnen liegt ein 14 Kilometer langer Weg aus Harpstedt nach Wildeshausen, die dritte von zehn Etappen der Pilgerwallfahrt auf dem Jakobsweg von Bremen nach Osnabrück, zu der das Bistum Osnabrück und das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta unter dem Motto „El Camino 2013 – Gemeinsam auf dem Weg“ eingeladen haben.
Zu sich selbst finden
Das Besondere an dieser Pilgerwallfahrt? „Gehen und zu sich selbst finden“, sagt Helga von Lehmden, „man redet nicht immer, sondern geht auch seinen Gedankengängen nach.“ Die 65-Jährige aus Lohne ist seit dem Auftakt am Dienstag in Kirchweyhe mit dabei, durchhalten will sie bis zum Ende der Pilgerwallfahrt am 30. Mai in Rulle.
Essenziell für „El Camino“ ist, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf den Weg begeben. Das spiegelt sich in einer besonders großen Hilfsbereitschaft wider, hat Helga von Lehmden festgestellt. „Jeder duzt jeden, jeder ist freundlich“, sagt sie. Für unbefestigte Teilstücke der Strecke ist für Rollstuhlfahrer ein Shuttle-Dienst eingerichtet.
Eine der Pilgerinnen trägt eine gelbe Warnweste. Es ist Sabine Spieker-Lauhöfer, Pastorin der Diakonie Himmelsthür. Gemeinsam mit Henning Baden und dem Ökumene-Forum Wildeshausen hat sie den Etappenabschnitt organisiert. „Es lief sehr gut“, sagt sie, „besonders schön war das Mittagessen auf dem Hof von Holger Schwarting in Mahlstedt, das war eine wunderbare Atmosphäre.“
In der Mittagspause konnten die Pilger ihre Pilgerstäbe, die sie in Harpstedt auf dem jüdischen Friedhof bekommen hatten, gestalten. Den Pilgerstab von Pastor Holger Kintzinger ziert etwa ein kleines rotes Glitzerherz, lilafarbene Geschenkbänder ranken sich um den Stab von Pastor Markus Löwe. Beide haben die Etappe begleitet, genauso wie Bischof Dr. Franz-Josef Bode vom Bistum Osnabrück und Weihbischof Heinrich Timmerevers vom Bischöflich Münsterschen Offizialat.
Stolz über Durchhalten
Mit ihrer ganzen BBS-Klasse hat auch die 17-jährige Meyase Aslan teilgenommen. „Zwischendurch war es ein bisschen anstrengend“, gibt sie zu, „wir wollten schnell ankommen. Aber jetzt bin ich auch etwas stolz, dass ich es geschafft habe.“
