• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Schüsse auf tote Künstler

10.03.2014

Oldenburg Fröhlich hocken die beiden jungen Frauen auf der Bühne, während das Publikum Platz nimmt. Gleich werden sie wunderbar gefertigte Puppen zum Leben erwecken. Dafür haben sie sich wie Zwillinge angezogen. Und wenn sie ihre lebensgroßen Schaumstoffgestalten packen, dann scheinen sie auf geheimnisvolle Weise eins zu werden mit diesen künstlichen Gesellen. Sie und wir tauchen in eine Welt ein, der man schon nach Minuten verfällt – ein kleines Theaterwunder, das im Kleinen Haus des Staatstheaters beim Festival „Go West“ vor nicht ganz vollen Reihen gezeigt wurde.

Ulrike Quade und Cat Smits führen die Puppen. Weit greifen sie mit ihren Armen in die Puppenkörper hinein. Die Puppenbeine lassen sie wie selbstverständlich auf ihren Füßen mitlaufen. Sie reden dicht an den Gestalten, als seien sie Bauchredner. Und sie schaffen so natürlich wirkende Dialoge, dass man wieder und wieder denkt: Da steckt doch ein echter Mensch in der Puppe. Steckt aber nicht.

Finale Verrücktheit

Inszeniert hat „Munch und van Gogh – Der Schrei der Sonnenblume“ schon vor einiger Zeit der Norweger Jo Stromgren. Der deutsche Text stammt nun von Oldenburgs Hausautor Marc Becker. Erzählt wird eine verrückte Geschichte: Die beiden Malerstars Vincent van Gogh und Edvard Munch, die sich zu Lebzeiten nie sahen, treffen sich in einer abgedrehten Fernsehshow. Dadurch sausen wir mit den Puppen – darunter ein komischer Kunsthändler und ein hysterischer Showmaster – jenseits von so lächerlichen Vorgaben wie Zeit oder Raum durch das verkorkste Dasein von Künstlern. Die befragen ihr Leben, das überwiegend aus Suff, Krankheiten und Krisen bestand, was ja erst den richtigen Künstler ausmacht.

Ulrike Quade und Cat Smits verarbeiten die Totengespräche auf recht abstrakter Bühne als endlose Klage, aber auch mit Witz und Ironie. Van Gogh und Munch sind verkrachte Existenzen, die Kunst leben und am Leben leiden. „Warum wurde ich geboren?“, jammert der alte Munch und schnarcht erst mal senil weg.

Alle tot

Nun muss man sich diese einstündige Geschichte nicht fein chronologisch vorstellen, sondern assoziationsreich gestapelt – mal gebrochen, mal rein informativ („Munch lebte von...bis....“), oft traurig und mit vielen Höhepunkten. Zur finalen Verrücktheit gehört, dass der Kunstsammler – nur tote Künstler sind bekanntlich gute Künstler – ein Massaker anrichtet. Die Pistole siegt über das Puppenspiel. Vielleicht auch gut so, denn der Text wurde alberner. Nun wird abgeknallt.

Peng. Van Gogh tot. Peng, Munch tot. Peng, der putzige Nachrichtensprecher auf der eingeblendeten Leinwand tot. Peng, peng. Alle tot. Wobei wir uns fragen, warum man Tote eigentlich noch mal erschießen muss. Das nächste Mal, hören wir aus dem Off, sollen Amy Winehouse und Janis Joplin in die Show kommen. Man lacht. Denn alles war nett. Und ganz gut. Aber auch gut, dass es nur eine Stunde war. Sonst hätte man glatt gedacht, dass doch nur mit Puppen rumgespielt wurde.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.