Tweelbäke - So viel Spaß für so wenig Geld: Ganze acht Euro beträgt die Jahresmitgliedschaft beim Tweelbäker Heimatvereen. Was man dafür bekommt? Nun, vor allem reichlich Feuer (bevorzugt zu Ostern, bei der Maibaumaufstellung und zum Grillen), launige Touren (mit dem Bus, auf dem Rad oder zum Kohl) sowie jede Menge Platt. Und wenn das alles schon nicht Grund zum Feiern ist, dann ist es doch spätestens diese Zahl – 70 Jahre lang gibt’s den Verein bereits, und ebenso lange auch dessen Ziele: Erhalt der plattdeutschen Sprache und der dörflichen Brauchtumspflege, und ja, ein klitzekleines bisschen auch noch die Hoffnung auf ein wiedervereinigtes Tweelbäke. „Ach, da stehen wir doch drüber“, wiegelt Schriftführer Gerold Seghorn ab, „letzteres kriegen wir wohl nicht mehr hin.“ Und weil man sich (angeblich) mit der Dreigeteiltheit abgefunden hat, hält diese Sprachregelung Einzug: „Tweelbäke hat halt drei Ortsteile: Hatten, Hude und Oldenburg.“
Schriftlicher Schatz
135 Mitglieder zählt der Heimatvereen derzeit, Tendenz: leicht fallend. „Der Uwe hat zwar ein paar aus seiner Altersgruppe aktivieren können, aber der Sensenmann arbeitet dagegen an“, sagt Seghorn. Der Uwe? Das ist der nun nicht mehr ganz so neue Vorsitzende Uwe Damken, seit 2012 im höchsten Amt. Der versucht zu beschwichtigen: „Nein nein, es haben ja noch viele weitere ihre Mitgliedschaft angekündigt – die hatten dann bislang aber wohl einfach noch keine Zeit zur Unterschrift gehabt ...“
Es sind ja aber auch erst 70 Jahre seit der Vereinsgründung ins Land gezogen, da kann man sowas schon mal vergessen. Um genau das in anderen Fällen zu verhindern, hütet der Verein einen besonderen Schatz: die beständig fortgeschriebene Chronik – und dazu noch ein Protokollbuch. Man weiß ja schließlich nie. Aus beiden wird regelmäßig bei den Jahreshauptversammlungen vorgelesen. Soll bloß keiner sagen, er kenne die Vereinsstatuten nicht! Das geschieht im Übrigen, na klar, auf Platt – ganz so, wie auch auf den Kohlfahrten und bei anderen Veranstaltungen platt gesnackt wird. „Das ist zumindest unser Bestreben“, sagt Seghorn. Nette Notiz am Rande: Das Protokollbuch ist zur besseren Lesbarkeit hochdeutsch beschrieben. Aber platt improvisieren, ganz im Sinne des hehren Vereinsziels, können sie hier alle.
Und alles könnte doch so schön sein, wenn zusammenwachsen würde, was ihrer Ansicht nach zusammengehört. „Zwei Generationen haben versucht, das Dorf zusammenzuhalten – aber das wird immer schwerer“, weiß auch Kassenwart Norbert Franke. Das fing einst mit der Ausdehnung der Gewerbegebiete an, setzte sich bei der Umverteilung der Kita-Bezirke fort und höre auch bei der Straßenreinigung nicht auf, wie sie hier sagen. Also eben dort, wo die städtischen Mitarbeiter peinlichst „millimetergenau auf die Gemeindegrenzen achten“ sollen.
„Alles blutet etwas aus“
Nein, das ist nicht mehr ihr Tweelbäke. Und ja, genau das ist ihr Tweelbäke. „Wir sind ein Dorf“, bekräftigt der 2. Vorsitzende Klaus Helms, „wir gucken nicht auf die politischen Grenzen.“ Außer natürlich es geht um den Zusammenhalt des dreigeteilten Dorfes und all die lähmenden Zerreißproben. Dann machen sie schon sehr deutlich, wie sie es finden, dass eigentliche Nachbarskinder nicht zur gleichen Kita oder Schule gehen können – weil es da nun mal diese verflixten Grenzziehungen gibt.
So verliert sich die Identität des Dorfes, so verlieren sich Gemeinschaften und Freundschaften. Oder wie Seghorn sagt: „So blutet hier alles aus – die Generation vor uns hat die Einheit zu 100 Prozent gelebt – aber nach uns kommt fast keiner mehr.“ Und zu ihnen sei auch OB Jürgen Krogmann bislang noch nicht gekommen. Dabei hätten sie ihm gern mal das ein oder andere erläutert. Vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Chance, wenn schon nicht zum 70., dann vielleicht bei einer Kohlfahrt oder Radtour in Gemeinschaft? Mitgliedsanträge haben die Vorstandsmitglieder zumindest immer griffbereit.
