Oldenburg - Plattdeutsch ist Sarit Streicher nicht in die Wiege gelegt worden, aber sie versteht es, weil sie Niederländisch spricht. Seit Anfang des Monats arbeitet die 36-Jährige als Dramaturgin für das niederdeutsche Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater. Sie ist die Nachfolgerin von Gesche Gloystein, die sich für ein Jahr auf den Weg nach Neuseeland gemacht hat.
Sarit Streicher ist viel in der Welt herumgekommen, bevor sie das „Nordweh“, ihre persönliche Form von Heimweh, nach Oldenburg führte. 1979 in Göttingen geboren und in Hohenkirchen im Wangerland (Kreis Friesland) aufgewachsen, machte sie nach dem Abitur ein Praktikum an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven und studierte dann Theaterpädagogik in Arnheim in den Niederlanden. Nach dem Studium arbeitete sie dort an Schulen und als freie Theaterpädagogin. Von 2008 bis 2010 folgte ein Engagement in Heidelberg, wo sie unter anderem die Leitung für die spartenübergreifende Jugend-Rockoper „Amadeus on the Rocks“ hatte. Es folgte ein dreijähriges Engagement am Jungen Theater Konstanz, wo sie verschiedene Jugendtheaterprojekte entwickelte.
Anschließend verschlug es sie für das Konstanzer Theater nach Thessaloniki in Griechenland, um das gemeinsame Projekt „Europa – Mythen und Märchen“ auf die Beine zu stellen. Ergebnis war die Produktion „Utopia in Progress“ über den idealen Staat.
Das sei eine spannende Zeit gewesen, sagt Sarit Streicher heute rückblickend. Es folgten ein Theaterprojekt in Südafrika und ein kurzes Engagement in Schwerin. In Oldenburg befinde sie sich noch in der Kennenlern- und Orientierungsphase, gesteht die 36-Jährige. Aber sie freue sich auf die Arbeit mit der August-Hinrichs-Bühne und dem Theaternachwuchs im Platt’n Studio 14+, dessen Leitung sie übernommen hat.
Das Plattdeutsche zu pflegen und zu fördern, sei eine wunderbare Arbeit. Sie setzt dabei auf zweisprachige Produktionen (hoch- und niederdeutsch), die den Zugang zum Plattdeutschen erleichtern. „Man versteht es auch, wenn man es nicht sprechen kann“.
Neben der Begleitung und Betreuung der Proben wartet viel organisatorische Arbeit auf Sarit Streicher. Als Schnittstelle zwischen August-Hinrichs-Bühne und Staatstheater reicht das von den Texten für die Programmhefte über die Besetzung der Stücke bis zur Spielplangestaltung.
Jetzt freut sie sich erst einmal auf den Start der Spielzeit und besonders auf „Sluderkram in’t Treppenhus“ unter der Regie von Marc Becker. „Das wird sehr lustig“, verspricht sie. Gespannt ist sie auf die Zusammenarbeit mit Ekat Cordes beim Stück „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horvath.
Wenn Sarit Streicher gerade nicht im Theater ist, wandert sie gern und lernt Sprachen. Plattdeutsch hat dabei derzeit Vorrang. Das Singen in einem Chor muss noch etwas warten.
