• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Pop und Patina in der Halle der Vereinigung

14.12.2009

BREMEN Nein, hier wächst nicht zusammen, was zusammen gehört. Vielmehr gibt es bei der Uraufführung von „Blühende Landschaften“ im Bremer Schauspielhaus viele offene Fragen: Wer ist Wessi, wer ist Ossi? Und wieso meint dieser junge Mann (Jan Byl), er müsse manisch Genschers Ausreise-Rede wiederholen?

So ist das Stück von David Gieselmann ein Theaterexperiment geworden, das unter der Regie von Markus Heinzelmann die deutsche Wiedervereinigung als Komödie mit Mut zur Lücke präsentiert. Ein wenig kontrovers wurde das Projekt vom Publikum aufgenommen. Was zum einen an der offenen Form der Inszenierung liegen mag, die mal als Liederabend, mal als szenische Improvisation daherkommt.

Zu sehen gibt es in der „Halle der Vereinigung“ (Bühne: Jan Müller) einiges: rechts eine Büste von Helmut Kohl, die später zertrümmert wird. Drumherum: ein miefiger Versammlungsraum, der auch schon mal zum Kasperletheater wird. Bilder von Kanzlern und SED-Vorsitzenden an den Wänden, Plattenspieler auf den Tischen. Man wühlt in medialen Erinnerungsfetzen. Pop und Patina.

Interessant sind nun all die agilen Gestalten, die hier an den Tischen herumpuzzeln. Ein ungemütlicher Chef (Tobias Beyer) stimmt sozialistisches Liedgut an – und übt per Kontrollblick eine geheime Terrorherrschaft über die anderen Teilnehmer dieses ominösen Workshops aus. Wer hier eigentlich wer sein soll, bleibt das große Rätselspiel der Aufführung. Eine Dame im Mantel (Eva Gosciejewicz) könnte die Schriftstellerin Monika Maron darstellen. Eigentlich heißt die Figur aber „Brigitte“ und weist bei den Zankereien mit dem Ossi Rainer (Mathis Julian Schulze) jeden Verdacht von sich, sie könnte ihm Herz und Trabbi gestohlen haben.

Fragwürdigkeiten auch beim Nachbarn, der wie die harmlos schluffige Kneipenfigur „Herr Lehmann“ aussieht (Mathis Schulze), jedoch die weißen Schnürsenkel eines Rechtsradikalen trägt. Letztendlich hat die junge Finnin (Varia Sjöström) den schönsten Part des Abends, wenn sie sagt, dass die vielen äußeren Grenzen Deutschlands wohl auch Grund für die ständigen mentalen Abgrenzungen der Deutschen seien. So bringt der Abend doch einiges an Bedenkenswertem mit sich.

Alle NWZ-Theaterkritiken: www.NWZonline.de/theater

Karten: 0421/365 33 33

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.