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NWZonline.de Nachrichten Kultur

KUNSTWERK: Prachtstück erhält Prunkrahmen

30.04.2005

OLDENBURG Das Bild steht im Mittelpunkt der rekonstruierten „Nordwestdeutschen Kunstausstellung“ von 1905. Sie ist ab 22. Mai im Oldenburger Augusteum zu sehen.

Von Bernd Küster OLDENBURG - Was derzeit in der Tischlerei des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte entsteht, ist der Nachbau der wohl aufwendigsten Rahmenkonstruktion, die ein neuzeitliches Gemälde je erfahren hat. Heinrich Vogelers formatgrößtes Werk bekommt mit diesem Nachbau seinen alten Glanz zurück.

Vor 100 Jahren, auf der „Nordwestdeutschen Kunstausstellung“ 1905, waren die Worpsweder ein weithin sichtbares Aushängeschild. Kaum zehn Jahre nach ihrem Durchbruch hatten sie nationale Berühmtheit erlangt, unter ihnen vor allem der 1872 in Bremen geborene Heinrich Vogeler, jüngstes Mitglied der Malervereinigung. Er gehörte zu der Gruppe Künstler, die von der zuständigen Kunstkommission 1905 nach Oldenburg eingeladen wurden und sich keiner Jury zu stellen brauchten. Unter ihnen aber war er der Einzige, der einen ganzen Saal in der von Peter Behrens entworfenen Kunsthalle mit eigenen Werken füllen durfte.

„Momentan“, schrieb Vogeler Ende März 1905 an den Verleger Eugen Diederichs, „arbeite ich noch mit aller Kraft daran, alles was ich bisher geschaffen habe zu einer Collektion in Oldenburg zu versammeln. Mit großen Kosten und einem Riesenaufwand von Arbeit wird alles zu einem Gesamtbild vereinigt: gelingt es mir damit nicht, einen starken Erfolg zu erringen, soll es gut sein.“ Doch es wurde ein Erfolg, und Vogeler hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.

Zwischen 1903 und 1905 malte Vogeler seinen „Sommerabend auf dem Barkenhoff“, die Ikone der frühen Zeit einer bedeutenden Künstlergemeinschaft. Doch das heitere Beieinander im Bild ist in ein melancholisches Szenarium des Abschieds verwandelt worden: mit der sehnsüchtig am Eingangstor wartenden Ehefrau Martha Vogeler, mit den beiden Brüdern – und ihm selbst – als begleitenden Musikern, im linken Teil mit einer zersprengten Freundesgruppe, in der die seitlich sitzende Paula Modersohn-Becker die eigentliche Mitte bildet.

Im Vogeler-Saal der Oldenburger Ausstellung war der „Sommerabend“ das Herzstück. „Er hat noch nie so glänzend ausgestellt wie hier“, kommentierte der Ausstellungskatalog. Und doch stand der 33-Jährige bereits mit großer innerer Distanz vor dem eigenen Oeuvre, dessen stilistische Raffinesse ihm immer mehr als ein aus dünnen Linien gewebter Vorhang vor der wirklichen Welt erschien. Und in der Skepsis, dass die in Oldenburg ausgebreitete Fülle gerade dieses offenbare, bereitete Vogeler seine „Kollektivausstellung“ vor, die er zugleich seine „Abschiedsvorstellung“ nannte. Für ihn verkörperte die Schau in Oldenburg 1905 nicht nur einen Höhepunkt seiner Anerkennung, zugleich bedeutete sie das Ende seines persönlichen Märchens.

Nach 100 Jahren kommt Vogelers Werk nun wieder nach Oldenburg, um die glanzvolle Mitte der rekonstruierten „Nordwestdeutschen Kunstausstellung“ zu werden, die ab 22. Mai im Augusteum zu sehen ist. Aus diesem Anlass erhält das Gemälde seine klassizistische Rahmung zurück, die während des Zweiten Weltkrieges verloren ging. Wie im Falle Vogelers werden von allen damals in Oldenburg vertretenen Künstlern deren Werke, soweit sie auffindbar waren, noch einmal zusammengeführt oder durch gleichwertige ersetzt, um die Konzeption und künstlerische Tragfähigkeit der Ausstellung von 1905 zu demonstrieren.

Bernd Küster leitet das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

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