Dramaturgin Telse Hahmann und Dramaturg und Leiter des Jungen Staatstheaters, Matthias Grön, sprechen über das Tanztheater „Apartment 7a“.
Im Stück geht es im weitesten Sinne um das Zuhause, das für viele Menschen seit Beginn der Pandemie eine ganz andere Bedeutung bekommen hat. Ist die Choreografie im Hinblick darauf entstanden?
GrönDas Stück passt sehr gut zur momentanen Situation. Alessandra Corti hatte allerdings vor Corona schon die Idee, sich mit dem Themenspektrum von Peter Pan, den verlorenen Kindern und der Insel Nimmerland zu beschäftigen. Wir sehen da eine Geschichte von Kindern, die allein gelassen worden sind, von Eltern, von Erwachsenen allgemein. Wir sehen, was in solchen Situationen passiert. Für mich ist das ein sehr gelungenes Stück Tanztheater, was ja auch etwas Besonderes ist. Denn die Ballett-Compagnie ist eigentlich spezialisiert auf den Balletttanz, also körperlich sehr anspruchsvolle Sachen und in diesem Fall sehen wir eher etwas, wo die Performance, wo die Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer in den Vordergrund geraten.
Was bedeutet das für die Tänzerinnen und Tänzer?
Hahmann: Es ist auch ganz neu für unsere Ensemblemitglieder, dass sie so viel in einem Stück sprechen. Einige sprechen zum ersten Mal Deutsch. Es war für uns alle eine besondere Erfahrung und es macht sehr viel Spaß, Teil dieses Stückes zu sein. Es ist fast unheimlich, wie gut dieses Konzept jetzt in die Coronazeit passt: Wie viele Kinder haben wochenlang in ihrer Wohnungsinsel zubringen müssen und konnten nur mehr oder weniger raus? Alessandra Corti sagt, dass diese Insel für sie auch ein Ort ist, den jeder Mensch in sich trägt.
Es gibt ein kleines Video auf der Website des Theaters, eine Vorschau. Das sieht sehr bunt und wild aus und auch die Musik ist sehr eingängig. Wer ist verantwortlich?
HahmannDas Interessante ist, dass die Musik in den Proben entstanden ist. Zuerst wurde ganz in Stille geprobt und der Musiker Anton Berman war in den Proben dabei und hat dann geschaut, was Alessandra Corti mit den Tänzerinnen und Tänzern erarbeitet. Danach hat er vor Ort im Studio diese Musik komponiert. Anschließend hat die Choreografin natürlich wieder auf die Klänge reagiert mit den Bewegungen. Musik und Tanz sind ganz eng verwoben.
„Apartment 7a“ feiert am Sonntag, 13. September, Uraufführung im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.
Das Tanztheater stammt von Alessandra Corti. An der Umsetzung waren Ballettdramaturgin Telse Hahmann und Theaterdramaturg und Leiter des Jungen Staatstheaters Matthias Grön beteiligt. Für Bühne und Kostüme ist Anike Sedello zuständig.
Das Stück ist ab 9 Jahre, aber durchaus auch für Erwachsene oder ältere Kinder geeignet. Es dauert 60 Minuten. Weitere Vorstellungen und Informationen unter
