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Oldenburgisches Staatstheater Diese Oper beeindruckt erst auf den zweiten Blick

Horst Hollmann

Oldenburg - Bei den Soiréen im Himmel nehmen auch Kleinmeister neben den Großen Platz, also ein Giuseppe Gazzaniga zwischen Mozart und Händel. Denen hat er seine Oper „L’Isola d’Alcina“ zum Besten gegeben. Passt ja. Mit Mozart verbindet den Italiener ein eigenes Pendant zu „Don Giovanni“. Und Händel hat ebenfalls den Alcina-Stoff vertont. Wie haben die Großmeister Gazzanigas Werk aufgenommen? „Ein nettes Stückchen, flott, und manchmal sogar mit Tiefgang.“ Etwa so, vielleicht auch anders.

Der Liebe überdrüssig

Jetzt urteilen die Oldenburger. Regisseur Christoph von Bernuth hat das „Dramma giocoso per musica“ von 1772 wiederbeatmet. Im Großen Haus zählt bei der Premiere nicht unbedingt der erste Eindruck, sondern der zweite mit reichhaltigem Beifall nach zweieinhalb Stunden.

Die Geschichte um die ewig junge Zauberin Alcina (Martha Eason), der alle Männer rettungslos verfallen, die aber der ständigen Liebe überdrüssig geworden ist, zieht sich etwas zäh durch den ersten Teil.

Doch nach der Pause blitzt die Musik auf einmal, pendeln Handlung und Bilder fast ein bisschen genial zwischen parodistisch aufgebautem Klamauk und Tiefgang mit Feinheiten in Musik, Personen und sparsamen Bildern (Bühne: Piero Vinciguerra).

Hei, da federt auch die Musik (Leitung Vito Cristofaro), glitzert, wird behände luftig. Das Staatsorchester mit 22 Musikerinnen und Musikern – Streicher, Oboen, Fagott, zwei prächtige Hörner – zeichnet melodisch schlicht psychologisch glaubhafte Charaktere.

Vier Männer landen auf Alcinas Insel. Dort laufen sie Gefahr, entweder von der Zauberin in Liebe verschlungen oder in Tiere oder Bäume verwandelt zu werden. Das passiert dort seit 800 Jahren. Dienstbare Wildschweine und ein eindrucksvoller Tlatolophus galorum unterstreichen das. Also wappnen sich die Vier mit Regeln. Das dauert. Doch dann bekommen der Franzose La Rose (Johannes Leander Maas), der Engländer James (Gabe Clarke), der Italiener Brunoro (Mark Serdiuk) und der Spanier Don Lopes (Joao Fernandes) reichlich Gelegenheit, ihre nationalen Klischees zu festigen.

Wer rettet den ganzen Laden und schneidet Alcina den Zopf ab, der ihr Zauberkraft und ewige Jugend verleiht? Natürlich ein Deutscher, der Baron von Brikbrak (Florian Götz) in einer erfolgreichen Verbindung von Trotteligkeit und Glück, genau nach schriftlichem Plan. Wenn er als Nachzügler im Nebel an den Strand geschwemmt wird, ergibt das eines jener zauberhaften Bilder, die haften bleiben.

Wildschweine an der Bar

Das gilt auch für Lesbia (Bogna Bernagiewicz) und Clizia (Melanie Lang), wenn sie demonstrieren, wie sie sich die Flucht von der Insel vorstellen. Oder für das Stillleben mit Wildschweinen an der Bar. Und wenn James am Ende aus dem Flucht-Ballon springt, weil der sonst zu schwer ist zum Abheben Richtung Europa, hat sich der Brite eben fürs Inseldasein entschieden.

Im Stimmklang changiert das Gesangsensemble zwischen schmiegsamer Mittellage, manchmal etwas herausgeschleuderten Spitzentönen und einer feinen bis drastischen Zeichnung des persönlichen Charakters. Das ist gut abgemischt und schafft plastische Feinstimmung. Klar, musikalisch bleibt Gazzaniga hinter Händel und Mozart zurück. Doch ehrenvoller Dritter, das ist ja auch etwas. Und nach all der Wagner-Wucht passt es in Oldenburg bestens.

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