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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bühnen: Proben bis in die Nacht hinein

24.04.2013

Oldenburg „Ich bin 1982 geboren“, sagt Iris sanftmütig ins Mikrofon. Alles sei nach Plan gelaufen, erzählt die 30-Jährige ihren neun Mitstreitern, mit denen sie in der Exerzierhalle auf der Bühne probt: Regelstudienzeit, Staatsexamen, Hochzeit, Kind.

„Mein Beruf macht mir Spaß, ich habe wieder Zeit für ein Hobby“, resümiert sie tapfer, lächelt ein bisschen müde und verharrt, als die anderen im Chor spotten: „Und mein Mann und ich lieben uns, meine Ehe ist glücklich.“ Unruhe entsteht. Max, ein junger Student, fängt an, auf der Stelle zu rennen. Wortfetzen wie „Hausbau“ und „Kochen“ verdichten sich, bis Max erschöpft zusammenbricht.

Das war’s, die Szene aus der Collage „Je ne regrette rien“ (Ich bereue nichts) ist abgehakt. Die Probenarbeit indes noch lange nicht, an diesem Abend wird es richtig spät. Die Nervosität ist greifbar, noch klappt nicht alles, was am kommenden Sonntag sitzen muss, wenn der neue Erwachsenenclub des Oldenburgischen Staatstheaters erstmals mit einer sogenannten Werkstattpräsentation auftritt.

„Ja, klar ist man aufgeregt, also ich auf jeden Fall“, gesteht Max, einer der jüngeren Teilnehmer. Sie alle kommen aus Oldenburg, sind an Kultur interessiert und haben in irgendeiner Form mit Pädagogik zu tun. Max beispielsweise studiert Sonderpädagogik an der Oldenburger Uni, während Gila am Herbartgymnasium Darstellendes Spiel unterrichtet.

Im Club duzen sich alle. „Wir sind ein super Team“, bekräftigt Theaterpädagogin Nicole Dietz, die mit Anna Mittelstaedt die Spielleitung innehat. Umso schwerer fällt es den beiden, an diesem fortgeschrittenen Abend strikte Regieanweisungen zu erteilen, statt sie gemeinsam zu erarbeiten wie im vergangenen halben Jahr, in dem die Gruppe einmal in der Woche probte und die Collage entwickelte.

Vorangegangen war dem Erwachsenenclub ein Casting. „Wir hatten 40 Interessierte“, erinnert sich Nicole Dietz. Bei der Auswahl der Teilnehmer stand nicht die Bühnenerfahrung, sondern die Heterogenität im Vordergrund. „Wir suchten Menschen aus verschiedenen Lebensphasen“, erläutert die Theaterpädagogin. Diese sollten sich Fragen stellen wie: Was will ich vom Leben? Wo stehe ich? Gibt es etwas zu bereuen? Aufgenommen wurden 18 Teilnehmer, von denen zehn im Alter von 20 bis 73 Jahren durchgehalten haben.

Das mag am Zeitaufwand für Proben liegen, wie dieser Abend eindrucksvoll beweist. Vielleicht aber auch daran, dass Theaterspielen ein zuweilen mühsamer Prozess ist, der erst einmal abseits der Bühne beginnt. „Am Anfang haben wir ewig über unsere Biografien geredet“, erinnert sich Kevin, „das fand ich ein bisschen langweilig. Erst im Nachhinein habe ich gemerkt, wie wichtig das für unser Stück war.“

Im einstündigen Schauspiel offenbaren die Teilnehmer zwar viel Privates, sollen sich aber nicht ausgestellt fühlen. „Deshalb haben wir ihre Geschichten verfremdet oder vertauscht“, sagt die Spielleiterin. Beherzt und mutig ist die Präsentation dennoch, wie folgende Szene zeigt: Da sitzt der Student Kevin auf einer Leiter und ruft lebensfroh: „Ich mache Karriere!“ Unter ihm liegt Renate, ein paar Jahrzehnte älter, bäuchlings auf dem Bühnenboden.

Glücklich bestaunt sie, wie eine aufziehbare Plastikbiene surrend ihre Kreise zieht. „Bist Du dafür nicht zu alt?“, fragt der Jungspund frech von oben. Die Antwort darauf gibt es am nächsten Wochenende.


Infos:   www.staatstheater.de 
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