Oldenburg - Roter Teppich, Häppchen, Sekt und ein noch unbekannter Film: Es sind diese Dinge, die die Filmfesteröffnung von einem normalen Kinoabend unterscheiden. Dazu natürlich das Schaulaufen vor den Filmfans und Fotografen, das auch am Mittwochabend vor der EWE-Arena die schönste Zeit für Cineasten einläutete.

Dabei kommt es nicht immer darauf an, wer, sondern manchmal auch wie einer über den Teppich läuft. Oberbürgermeister Gerd Schwandner humpelte auf Krücken ins Kino. Erst kurz zuvor war er nach einer Operation am Dienstag aus dem Pius entlassen worden. Auf eigenen Wunsch. „Ich wollte unbedingt dabei sein.“ Die Vermutung, der sportliche OB habe es bei seinen Übungen übertrieben, erwies sich allerdings als falsch. „Beim schnellen Überqueren einer Kreuzung“ habe er sich das Knie verdreht, verriet Schwandner.

Das größte Blitzlichtgewitter erzeugte auch die größte Gruppe des Abends. Regisseur Christopher Coppola hatte sein Versprechen wahr gemacht und die Schüler der Waldorfschule, mit denen er derzeit an einem Filmprojekt arbeitet, auf den roten Teppich mitgenommen. Die Nachwuchsfilmer genossen die Aufmerksamkeit und gaben routiniert Interviews. „Das war toll, wie im Fernsehen. So etwas würden wir gerne wieder machen“, meinten Mia, Luna, Marie und Lina fast einstimmig.

Nervöser als die Kinder zeigte sich indes Filmfest-Chef Torsten Neumann. Fast schon traditionell war er trotz jahrelanger Routine einer der aufgeregtesten bei der Eröffnung. „Ich lasse mich von meinen Mitarbeitern eigentlich nur herumschieben, damit ich weiß, wann ich wo stehen und jemanden begrüßen muss“, gab er zu. Die Spannung löste sich erst nach seiner Eröffnungsrede, die er als kurz ankündigte, dann aber doch nicht umhinkam, jedem Stargast, Sponsor und Förderer ausgiebig zu danken.

Zu den Aufgeregten gesellte sich Jan Ole Gerster, seines Zeichens Regisseur. Sein Debütfilm „Oh Boy“ eröffnete das Festival, weshalb er natürlich weniger Augen für die Leinwand als für die Zuschauerreaktionen um sich herum hatte. „Das ist schon brutal“, beschrieb er diese Situation. Was half, war der anschließende Applaus der mehr war als bloß reine Höflichkeit. „Ich habe den als durchaus wohlwollend empfunden“, so Gerster erleichtert.

Entspannung erlebten Filmfest-Organisatoren und Gäste beim anschließenden Empfang. Dank Gemüselasagne, Poulardenbrust mit Waldpilzen und Möhren-Ingwer-Suppe sowie einigen Getränken legten sich erst Hunger, dann Durst und zuletzt die Aufregung.

Auch wenn Glanz und Glamour im Mittelpunkt der Auftaktnacht standen – so ganz ließ sich die Debatte um Zuschuss und Zukunft des Filmfestes nicht verdrängen. Bernt Wach, Geschäftsführer der Kulturetage und damit Mitbewerber um die finanziellen Inhalte öffentlicher Fördertöpfe, brach eine Lanze für das große Engagement von Torsten Neumann und einen Verbleib des Festivals in Oldenburg: „Das Filmfest ist ein Höhepunkt der hiesigen Kulturszene, die Stadt braucht es. Doch nun sehe ich die Gefahr, dass durch die Streitereien in den vergangenen Monaten ein sehr fähiger Kulturmanager vergrault wird.“