„Bild aus Ausstellung entfernt“, „Völlig falsch gehandelt“ (Kommentar von Carsten Mensing; beides NWZ vom 17. März).
Danke, Herr Mensing, heute musste ich als 63-jähriger weltoffener Christ lernen, dass die vorsätzlich provozierende Darstellung von ethisch, religiösen Wertevorstellungen und Symbolen aus Gründen der Selbstdarstellung und -verwirklichung nicht als Verunglimpfung dieser, sondern einfach als Kunst dargestellt werden kann, die jeder kritiklos hinzunehmen und zu schlucken hat.
Leider habe ich jedoch zu Ihrem Kunstdogma noch vier Fragen.
Frage 1: Ist die Entscheidung der Stadt, welche es sich nach den Protesten aus der Bevölkerung nicht einfach gemacht hat, wirklich mit den Machenschaften der NS-Zeit zu vergleichen, oder handeln Sie als Reporter nur aus Geschichtsunkenntnis oder Sensationslust?
Frage 2: Was wäre passiert, wenn Ihre so genannte Künstlerin dem (. . .) Judas eine Hakenkreuzbinde auf dem Oberarm gemalt hätte, wäre dann das Bild überhaupt aufgehängt und veröffentlich worden, und wie wäre dann Ihr Kommentar ausgefallen?
Frage 3: Warum hat Ihre Zeitung die gedankenlose, aber mit Sicherheit zu verurteilende Verbrennung von Koranbüchern in Afghanistan so verteufelt; und warum haben Sie mit Ihrem Kunstverstand nicht in einem Kommentar dargelegt, dass dieser Vorfall nur eine große zeitgenössische Kunstdarstellung darstellen könnte, und auch sein sollte.
Frage 4: Ist es denn richtig, dass alles, was unsere Heranwachsenden verzapfen, als gut und richtig angesehen wird, und kritiklos hingenommen werden muss, nur weil es der Deckmantel mit Namen „Kunst“ verzeiht und zudeckt. Es grüßt ein offensichtlicher Kunstbanause.
Richard Machatzke, 26676 Harkebrügge
