Berne - Wer beim Konzert des Chors Courage nicht frühzeitig da war, hatte am Sonnabend das Nachsehen. Restlos füllte das Publikum selbst die Stehplätze im Obergeschoss der Berner Kulturmühle, um musikalisch mit „Liebe, Lust und Leidenschaft durch die Jahrhunderte“ zu reisen. Mehr als ein Jahr liegt der letzte Auftritt der 30 Sängerinnen und Sänger zurück – eine lange Zeit, die Chorleiterin Balkis Mele und ihre Sänger nutzten, um ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm einzustudieren.

„Turdion“, ein französisches Trinklied von Pierre Attaingnant aus dem Jahr 1530, machte den schwungvollen Auftakt des Abends, um anschließend von John Dowlands berühmten „Come again“ abgelöst zu werden – ein englisches Lied von sich steigernder Leidenschaft und Erotik aus dem Jahr 1579, das melancholisch geprägt ist von Elend und Leid, weil die Angebetete nichts für die Avancen von Dowland übrig hatte.

Nicht nur Dowland verwandelte seinen Liebeskummer in wunderschöne Musik, konnte das Publikum dabei erfahren. Auch den Herzschmerz der italienischen Komponisten Giovanni Maria Nanino und Orazio Vecchi mit „Sonno Soave“ und „Dolcissimo ben mio“ hatte der Chor mit Klavierbegleitung von Thomas Ahlhorn eindrucksvoll einstudiert. Mit einem genauso bitterbösen wie tragischem Liebesleid zweier Gänse aus England endete der erste Teil des Programms. Chorleiterin Balkis Mele war mit der Leistung ihres Ensembles bei diesem schwierigeren Programmteil überaus zufrieden.

Nach der erfolgreichen Darbietung des ersten Teils war die Anspannung von den Sängerinnen und Sängern, die immer wieder durch Soli oder den Gesang in kleineren Gruppen begeisterten, abgefallen. Schwedisch, Englisch oder Deutsch ging es schwungvoll mit zum Teil bekannten Hits von Albert Hammont, Billy Joel und Werner Richard Heymanns „Ein Freund, ein guter Freund“ weiter. Ohne Zugaben ließ das Publikum den Chor Courage, der sämtliche Einnahmen des Abends dem Kulturmühle-Verein für seine erfolgreiche Arbeit überließ, nicht von der Bühne.