Northeim - Beim Stichwort Puppentheater denken die meisten an ihre eigene Kindheit. Vielerorts in Deutschland klärt die Polizei mit Kasperl und Sepp auf der Bühne über Gefahren auf. Aus dem Fernsehen kennt jeder die Augsburger Puppenkiste und die Muppet-Show. Dabei ist Puppentheater weit mehr – weshalb die Szene lieber von Figurentheater, Theater der Dinge oder gar Materialtheater spricht. „Unsere große Stärke ist das Visuelle – wir verbinden bildende und darstellende Kunst, Performance, Tanz und Musik“, sagt Alice Therese Gottschalk, die zu den renommiertesten Marionettenspielerinnen in Deutschland zählt.

Die Gründerin des FAB-Theaters in Stuttgart ist eine der Initiatorinnen der ersten Deutschen Figurentheater-Konferenz, die vom nächsten Montag an Puppenspieler, Sammler und Wissenschaftler im südniedersächsischen Northeim versammelt. Vorbild für das Treffen ist die National Puppetry Conference im US-Bundesstaat Connecticut, die das Erbe von Muppet-Vater Jim Henson (1936-1990) pflegen will.

Zur deutschen Konferenz werden im Northeimer Theater der Nacht 40 Teilnehmer aus vier Ländern erwartet. Sie wollen sich untereinander austauschen. „Momentan ist es eine der innovativsten Theaterformen“, sagt Alice Gottschalk. Die 38-Jährige wird am 2. September gemeinsam mit Regisseur Frank Soehnle ihre neueste Arbeit „Crinkled – zwei Leben, gefaltet, zerknittert, geknüllt“ präsentieren.

Ihr Theater der Nacht ist als Verein organisiert und hat mittlerweile zehn Mitarbeiter. Im 30 000-Einwohner-Städtchen Northeim ist es eine wichtige Kultureinrichtung. Die Gründerin sagt: „Durch unser Theaterhaus haben viele Leute das Puppentheater für sich entdeckt. Es ist eben nicht der Kinderkram, den man sich landläufig darunter vorstellt.“