Das Purimfest
geht auf das biblische Buch Ester zurück. Es erinnert an den gescheiterten Judenmord-Versuch des persischen Höflings Haman.Dieser hatte
den Perserkönig Achaschwerosch überredet, alle Juden im Perserreich an einem per Los ermittelten Stichtag zu töten. Königin Ester, die Jüdin war, gelang es jedoch, Achaschwerosch davon abzubringen.Die Juden
begehen den Purimtag (pur ist hebräisch für Los) im Februar oder März als feierlichen Gedenktag. Zu den Brauchtümern des Tages gehört es, dass sich Kinder verkleiden.Das amerikanische Geister-Fest sei pädagogisch fragwürdig, sagt Marlies Coners, die das Purimfest mitorganisiert hatte. Knapp 40 Kinder waren gekommen.
Von Christian Schwarz
Elisabethfehn Die kleine Anna ist ein Traum in Rosa. „Was bist du denn, Prinzessin oder Fee“, fragt Gabriele van Deest. „Beides“, antwortet das Mädchen und setzt sich auf ihren Platz im Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Elisabethfehn. Dort feierten knapp 40 Kinder zwischen vier und zwölf Jahren am Mittwochabend zum zweiten Mal das „Purimfest“, das im Judentum ein feierlicher Gedenktag ist. Organisiert hatten das Fest Gabriele van Deest und andere Gemeindemitglieder.
Nach einem kurzen Gottesdienst mit Gesang sowie einem Puppenspiel, in dem die Bedeutung des Purimfestes erklärt wurde, und gemeinsamen Spielen bastelten die Kinder miteinander, und am Ende gab es selbst gemachte Gyros-Pita.
Das Fest soll „eine Alternative zum Halloween-Fest“ sein, das neuerdings auch in Deutschland am 31. Oktober gefeiert wird. Die Konkurrenz des amerikanischen Exportfeiertags zum hierzulande traditionell gefeierten Reformationstag hatte auch die niedersächsische Landesbischöfin Margot Käßmann gerade erst beklagt.
Auch Mitorganisatorin Marlies Coners klagt: „Halloween ist ein Fest, das auch Satanisten feiern“, sagt sie. „Außerdem ist es pädagogisch fragwürdig, wenn Kinder an Haustüren klingeln und ,Süßes oder Saures‘ fordern.“ Wichtig sei, den Kindern am „Fest der Freude“, dem Purimfest, zu verdeutlichen, dass Gott sie liebe.
Verkleidungen – zweifellos ein Grund der momentanen Beliebtheit von Halloween bei Kindern – waren selbstverständlich auch in Elisabethfehn erlaubt. Schließlich verkleiden sich die Kinder beim jüdischen Purimfest auch. Doch nur wenige Elisabethfehner Kinder kamen dem Angebot nach.
Spaß hatten sie dennoch. Beim Singen und Tanzen, zum Beispiel. Oder beim Personenmemory, bei dem je zwei Kinder Paare bildeten, die über eine bestimmte Bewegung oder Geste zueinander gehören. Zwei Gegenspieler riefen jeweils zwei Kinder auf, die sich dann wieder setzen konnten, sobald ein Paar entdeckt wurde. Nach dem anschließenden Basteln ging’s zum Pita-Essen. Die Kinder konnten ihre Brote selbst füllen, mit Gyros, Tomaten, Salat und Gurken.
