Oldenburg - Zum Auftakt ein modernes Werk. Nach der Pause eine große Sinfonie. In der Mitte ein Solokonzert. „Sandwich-Programm“ hieß diese alte Aufteilung in Konzerten: Eine nahrhafte Einlage zwischen zwei Brötchenhälften. Zeitgemäß locken Musikzusammenstellungen mit Titeln und Rätseln. Welches Werk passt in welches Kästchen? Welches fügt sich ins Puzzle, ohne zu verkanten?
Im 7. Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters im Großen Haus verkantet tatsächlich nichts. Komponist Michael Torke beleuchtet grell in „Ecstatic Orange“ die genannte Farbe. Igor Strawinsky spielt mit hellen Tönungen im Violinkonzert. Ottorino Respighi rückt in „Trittico botticelliano“ bunte Gemälde in mildes Licht. Paul Hindemith ließ sich für Sinfonie und Oper „Mathis der Maler“ von Matthias Grünewald und dessen Darstellungen im Isenheimer Altar anregen. Überschrift also: „Klang der Bilder“.
Francesco Corti, der Musikalische Direktor der Scottish Opera, ist ein Gastdirigent, der diesen Farben-, Bilder- und Klangreichtum mit Wucht herausschleudert, aber stets auch feine Verästelungen aufspürt. Wähnt man im „Engelskonzert“ der Mathis-Sinfonie die Gewichtungen verschoben, so korrigiert sich der Eindruck bald. Corti steht zu Brüchen. Hinter dem Muskelspiel des Orchesters wird in dieser Eindringlichkeit Bruckner spürbar.
Der Italiener aus Glasgow kann mit seiner stämmigen Dirigiersprache kernig ohne Krach. Finales schließt er unverstellt mit zur Seite gestoßener Faust ab. Unter solcher Anfeuerung vibriert Torkes aggressive Mischung aus Minimalentwicklungen und Popelementen. Dem synkopierten Drive hätte man schärfere Grate gewünscht. Mit Respighis Klangschwarte setzt der Dirigent den Gegenpol. Pathos und Aufdringlichkeit, die diese Tongemälde so unleidig machen können, verbannt er gänzlich. Klangmischungen und Klangtrennungen sind der reine Genuss.
Konzertmeister Lev Gelbard geht als Solist Strawinskys barock angehauchtes Violinkonzert mit selbstbewusster Gelassenheit an. Poesie, Charme und lyrische Schönheit stellt er über spitze Spritzigkeit. Alles wirkt so weniger streng. Aber Gelbard macht keine Abstriche beim feinen Sarkasmus, bei den Widerborstigkeiten. Oder bei der teuflischen Technik des Capriccios.
Man kann die ganze Musik frei von Verknüpfungen hören. In diesem Sinne ist das vorletzte Saisonkonzert ein gutes. Voller Spannung, voller Feinheiten, voller Verve und ja – auch voller Farben.
