QUERENSTEDE - Zum 200. Geburtstag von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, organisierte die Bad Zwischenahner „bibliothek am meer“ eine Lesung der besonderen Art: Im unteren Mühlenraum der Querensteder Mühle las Rainer Damerius eindrückliche, markante Passagen aus dem 1985 erschienen Bestseller „Das Parfüm“, die Geschichte eines Mörders, geschrieben von Patrick Süskind.

Sind allgemein bei Lesungen die Räume hell erleuchtet, so war dieses Mal der Mühlenraum komplett abgedunkelt, und die vielen Gäste hörten gespannt knapp zwei Stunden von Jean-Baptiste Grenouille, der in der Geschichte die besondere Gabe hat, Gerüche intensiver als andere wahrzunehmen. Die Lesung von Rainer Damerius aus der Punktschriftausgabe des Romans war einfühlsam und lebendig. Die ausschweifenden Beschreibungen von Gestank und Wohlgerüchen konnten in der besonderen Atmosphäre bestens nachempfunden werden.

Rainer Damerius erblindete bereits im frühkindlichen Alter und erlernte statt der „Schwarzschrift“ die Punktschrift. Hauptberuflich ist er Behindertenbeauftragter der Stadt Siegen. Einige häufig vorkommende Wörter hätten, ähnlich wie in der Kurzschrift, auch Abkürzungen zum schnelleren Erkennen des Wortes. Der Platzbedarf der Punktschrift wäre durch die größeren Zeichen jedoch recht groß, und auch das Papier müsse viel dicker sein. „In Blindenschrift zu lesen ist schon eine richtige Arbeit“, stellte er fest und ergänzte, dass das Lesen bei der „Schwere der Literatur“ fast schon Gymnastik sei.

Eine weitere Lesenacht zum Geburtstag vom Louis Braille findet am 31. Januar um 19 Uhr in der „bibliothek am meer“, Auf dem Hohen Ufer 20, in Bad Zwischenahn statt.