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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Unterhaltung: Schwere Zeiten für Kinobetreiber

03.06.2020

Quernheim Sie hängen noch in den Schaukästen: Plakate für die „Känguru-Chroniken“, für „Enkel für Anfänger“ oder den nächsten James Bond „Keine Zeit zu sterben“. Seit Mitte März haben die Kinos in Niedersachsen geschlossen – und damit auch die „Lichtburg“ in Quernheim, einem 400-Seelen-Dorf im Kreis Diepholz in der Nähe des Dümmers.

Betreiber Karl-Heinz Meier ist mit dem Kino groß geworden, nachdem sein Vater 1952 in dem Tanzsaal des Dorfes ein Kino einrichtete. Sein uriger Kintopp im 50er-Jahre-Look zieht aus der ganzen Dümmer-Region Zuschauer nach Quernheim, den „kleinsten Kino-Ort Deutschlands“, wie Meier sagt. Er lebt Kino: „Wer einmal Zelluloid gerochen hat, kann davon nicht mehr lassen.“ Eine Situation wie diese hat er noch nie erlebt. Er macht sich Sorgen.

Meier sieht nicht nur die Folgen für seine zwei Kinos in Quernheim und Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke. Er ist auch Vorstandsmitglied im Kinobüro Niedersachsen und in der Filmtheaterbranche bundesweit gut vernetzt. Die Folgen dürften für viele Lichtspielhäuser katastrophal sein, erwartet er. „Es wird auch Häuser geben, die werden es nicht überleben die müssen Konkurs anmelden.“ Schon im April, nach nur fünf Wochen Schließung, hatten bereits erste Kinos Insolvenzen befürchtet, heißt es vom Branchenverband HDF Kino. „Zwar erhalten einige Kinos Programmpreise und werden so staatlich gefördert, aber dies betrifft weniger als 20 Prozent“, sagt Vorstandsvorsitzende Christine Berg. Hinzu komme, dass bisher überhaupt nur Kinos mit weniger als sieben Sälen unterstützt wurden. Die Krise betreffe aber alle 1734 Kinos in Deutschland.

Dabei war das Kinojahr 2019 ein gutes gewesen. Nach Angaben der Filmförderungsanstalt wurden im vergangenen Jahr 113 Millionen Kinotickets verkauft, 13 Prozent mehr als 2018. Auch die Zahlen im ersten Quartal 2020 seien vor dem Lockdown zufriedenstellend gewesen, sagte Berg.

Nun erlauben einige Bundesländer zwar schon wieder den Betrieb von Kinos. Das helfe aber nicht, weil es keine Ware – also keine Filme – auf dem Markt gebe, sagt Meier. Das sei vor allem für größere Multiplexkinos ein Problem. „Stellen Sie sich vor, sie hätten zehn Leinwände, aber keinen Film, den Sie zeigen können – da ziehen es die meisten doch vor, noch geschlossen zu bleiben und weiter auf Kurzarbeit zu setzen.“

Auch sei die Angst sei noch groß, ins Kino zu gehen. Die Hauptzielgruppe von Karl-Heinz Meiers Kinos ist eher älter: Landfrauen, ältere Menschen, die aus dem Oldenburger Münsterland mit dem E-Fahrrad abends vorbeikommen. Die würden sich im Moment sicherlich auch noch nicht trauen, weil sie Angst vor dem Coronavirus hätten, sagt der Kinounternehmer, der selber mit 69 Jahren vom Alter her auch zur Risikogruppe gehört. „Dabei ist das von der Hygiene her kein Problem, das kriegen die Kinos alle hin“, versichert Meier.

Spender für Handdesinfektionsmittel sind da, ebenso wie Scheiben für Spuckschutz. Mit dem Buchungssystems ließe sich ausreichend Abstand zwischen den Besuchergruppen einrichten. Bundesweit müssten auch die Hygiene- und Abstandsregeln einheitlich sein, sagt Christine Berg. „Dies ist aktuell nicht der Fall, aber elementar, um den Besuchern bundesweit ein sicheres und gutes Gefühl bei ihrem Kinobesuch zu geben.“

Er glaube an das Kino, sagte vor wenigen Tagen Tim Richards, Chef von Cinemaxx und Cinestar, im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bei der Bevölkerung habe sich ein Vergnügungsbedürfnis wie noch nie aufgestaut. Meier sieht es genauso. Nur: Allzu lange dürfe die Pause nicht mehr dauern, sonst könnte es tatsächlich ein großes Kinosterben geben. Auch ein zweiter Lockdown wäre katastrophal. Nach der Corona-Pause dürfte es jedenfalls viele neue gute Filme geben, glaubt Meier: „Die Drehbuchautoren haben doch jetzt alle Zeit, das alles aufzuarbeiten und tolle Stoffe zu entwickeln.“

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