Dangast/Berlin - Dieser Vogelzug konnte gerade noch gestoppt werden: Für 165 000 Euro ist am Freitagmorgen das Gemälde „Vogelzug über Dangast“ von Franz Radziwill (1895–1983) im Berliner Auktionshaus Villa Grisebach versteigert worden – nicht etwa an eine anonyme Adresse im Ausland, sondern an einen norddeutschen Sammler.
Mehr Informationen über den neuen Besitzer wollte Dr. Markus Krause, Chef-Kunsthistoriker bei Grisebach, nicht herausgeben: „Diskretion ist unser oberstes Gebot“, sagte er und verriet lediglich, dass „viel los“ gewesen sei, „auch am Telefon“ und dass sich die Zahl der Bieter am Ende der etwa fünfminütigen Versteigerung der Losnummer 521 auf zwei reduziert habe. Zudem handele es sich um einen Rekord: „Das ist der höchste Preis für ein Spätwerk von Radziwill, der je auf einer Auktion erzielt wurde“, sagte Krause.
„Ein Mordspreis“, kommentierte auch die Oldenburger Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin Birgit Denizel die Summe. Zumal neben der Mehrwertsteuer von sieben Prozent auch noch ein 25-prozentiger Zuschlag auf den Hammerpreis berechnet wird, der immer dann fällig wird, wenn ein Bild aus dem Ausland oder dem Kunsthandel kommt. Am Ende war der anonyme Sammler bereit, eine Summe von rund 220 00 Euro hinzublättern.
Auch Konstanze Radziwill zeigte sich erfreut und „verblüfft“, in welche preislichen Dimensionen das Werk ihres Vaters inzwischen aufgestiegen ist. Sein Spätwerk ist ihrer Ansicht nach immer unterbewertet worden.
Zuletzt hatte sich das Gemälde, das 30 Jahre lang nicht mehr ausgestellt wurde, in der Sammlung eines griechischen Reeders, des Milliardärs George Economou befunden. Die Kuratorin der Ausstellungen im Dangaster Radziwill-Haus hatte sich im Vorfeld der Auktion an die Öffentlichkeit gewandt, um für das Bild zu werben, das ihrer Ansicht nach „in den Nordwesten gehört“. Natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass es jemand ersteigert und als Leihgabe für das nächste große Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Halbinsel der Seligen. Franz Radziwill und die Natur“ zur Verfügung stellt.
Denn Radziwills „Vogelzug“ ist von biografischem und dokumentarischem Wert: Reste der im Bild gezeigten Häuser lassen sich heute noch in Dangast finden. Als das Gemälde 1960 entstand, hatte sich der Maler für die Natur und den Vogelschutz engagiert. Von 1959 bis 1969 war er als Hilfspolizist in der „Eigenschaft als Vogelschutzwart“ tätig.
Da das Bild nun nach Norddeutschland zurückkehrt und damit in greifbare Nähe rückt, besteht noch Hoffnung für das Radziwill-Haus.
