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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Rätselhaftes aus der Psychiatrie

23.05.2014

Oldenburg Mit 15 Jahren brach Georg Müller vom Siel (1865–1939) die Schule ab und reiste zu Verwandten nach New York, ließ sich als Künstler ausbilden und begann zwei Jahre später eine Wanderung durch Europa. Noch einmal war er in New York, ehe er durch Frankreichs Museen zog, um schließlich mit Unterstützung des Großherzogs in der Dötlinger Landschaft Ruhe zu finden. Er wurde ein geschätzter Maler und Lehrer.

Eröffnung

Die Ausstellung „Der andere Müller vom Siel“ des Landesmuseums Oldenburg für Kunst und Kulturgeschichte wird an diesem Sonntag, 11.30 Uhr, im Prinzenpalais (Damm 1) eröffnet.

Zu sehen ist die Schau bis zum 24. August. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr.

Doch um 1905 entwickelten sich Depressionen, die ihn 1910 ins Krankenhaus nach Wehnen brachten. Dass er dort weiter zeichnete, wurde nur wenigen Menschen bekannt. Sie bewahrten etwa 180 Arbeiten vor der Vernichtung und übergaben sie dem Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, das nun erstmals eine Auswahl im Prinzenpalais zeigt.

Die Zeichnungen auf Pergamentpapier unterscheiden sich deutlich von der bekannten Landschaftsmalerei. Einzelne Baum- und Zaun-Motive blitzen auf, werden aber ohne inhaltliche Notwenigkeit mit anderen Motiven auf einem Blatt zusammengestellt. In einer anderen Gruppe ist der Künstler von zentralen Kreisen ausgegangen. Sie werden ihm Zeichen, er füllt sie mehrfach mit geduldig gezeichneten kleinen Ornament-Serien.

Den Menschen stellt er außerhalb dieser Kreise und anderer Zeichen, denen der Künstler einzelne Wörter – nicht selten abstrakte Begriffe wie „Dialektik“, aber auch schlichte Bezeichnungen wie „Brücke“, „Hals“, „Sprache“ – beigegeben hat. Ganz selten fließen damals aktuelle Assoziationen in die Zeichnungen ein; doch ergeben die Kompositionen weder auf dem einzelnen Blatt noch auf mehreren Blättern einen nachvollziehbaren Zusammenhang.

Aber das gehört zum Faszinierenden dieser Ausstellung: Jedes Blatt beansprucht eine eigene Deutung, aber nirgends gibt es eine über die Einzelheiten hinausgehende Gewissheit.

Die Ausstellung, die auch grundlegend an das Schicksal der in Wehnen untergebrachten Menschen während der NS-Zeit erinnern will, reiht sich ein in eine vor 90 Jahren von dem Psychiater Hans Prinzhorn (1890–1933) initiierte therapeutische Beschäftigung mit künstlerischen Äußerungen von Kranken. Jean Dubuffet hatte dafür den Begriff „art brut“ geprägt. Auch in Oldenburg waren die Sammlungen Prinzhorn und Gugging, eine österreichische Parallele seit 1975, vorgestellt worden.

Das Besondere an Georg Müller vom Siel ist seine technische Sicherheit im Zeichnen. Anders als die Künstler der Sammlung Prinzhorn, die zuweilen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind, was Beispiele in der Ausstellung belegen, hat er keine therapeutische Anregung von einem Arzt gebraucht, sondern seine keineswegs verschütteten Fähigkeiten zu zweifellos rätselhaften Bildern nutzen können. Werke von Georg Müller vom Siel sind inzwischen mit der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg ausgestellt worden.

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