RAMSLOH - Anna Popoff zog es 1991 aus dem russischen Omsk ins deutsche Ramsloh. Heute hilft sie anderen Aussiedlern bei der Integration.

Von Kristian Klooß

RAMSLOH - Bald ist es 15 Jahre her, dass Anna Popoff mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und drei Koffern aus Russland nach Deutschland reiste. „Wir hatten nur Kleidung, eine Bibel, eine Decke zum Schlafen, Teller und Löffel zum Essen sowie Zeugnisse und einige Familienfotos dabei“, erinnert sich die 50-Jährige an den November 1991 zurück.

Ihre Eltern waren schon im Februar desselben Jahres nach Deutschland ausgereist – nachdem sie mehr als 60 Jahre als Deutsche im sowjetischen Omsk gelebt hatten. Doch die Entscheidung hinterherzureisen, fiel den Popoffs zunächst schwer, „denn wir hatten ja Arbeit, hatten eine Wohnung. Wir mussten das alles aufgeben“, sagt Anna Popoff. Dennoch entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Valeri für die Ausreise.

Nachdem sie am Grenzdurchgangslager alle Formalitäten erledigt hatten, fuhren sie in ihre neue Heimat – Ramsloh. Dort, sagt die Aussiedlerin, sei man von den Behörden tatkräftig unterstützt worden. „Mein damals fünfjähriger Sohn Roman hat sofort einen Kindergartenplatz bekommen und meine Töchter sind in der Handarbeitsgruppe von Schwester Adelhilde herzlich aufgenomen worden“, sagt Anna Popoff.

Auch beruflich sei die Integration schnell erfolgt. „Mein Mann und ich haben den Sprachkursus besucht und Valeri hat dann nach einem einmonatigen Praktikum eine Stelle bei einem Maschinenbauer gefunden.

Doch auch die dreifache Mutter fasste schnell Fuß in ihrer neuen Heimat. Zunächst arbeitete sie als Aussiedlerberaterin für die Gemeinde Barßel. Mit der Gründung des Heimatvereins der Deutschen aus Russland engagierte sie sich dort zunächst Ehrenamtlich, später betreute sie im Rahmen einer AB-Maßnahme Aussiedler. Dort sei sie erstmals auf ein Problem aufmerksam geworden, dem sie sich inzwischen intensiv widmet – der Gefahr durch Drogen.

Dieses Problem, das in Aussiedlerfamilien immer wieder Auftritt, widmet die 50-Jährige inzwischen ihre meiste Aufmerksamkeit. Nach einer Zusatzausbildung arbeitet sie derzeit als Suchtberaterin sowohl in Cloppenburg als auch im Saterland, zweimal wöchentlich im Gemeindehaus in Ramsloh. „Es kommmen vor allem Eltern zu mir, manchmal aber auch Jugendliche, die endlich von den Drogen wegkommen wollen.“ In ihren Beratungszeiten blieben alle Gespräche anonym, betont sie. In erster Linie ginge es um Entgiftung, Therapie und Elternberatung.

Vom Erfolg ihrer Arbeit ist Anna Popoff überzeugt. „Viele der Jugendlichen haben nach der abgeschlossenen Therapie einen Arbeitsplatz gefunden. Da ist man schon stolz“, sagt die Ramsloherin.

Auf ihre Arbeit sind auch andere Menschen aufmerksam geworden. Am Mittwoch erhielt Anna Popoff die Niedersächsische „Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten“ (die NWZ berichtete).