RAMSLOH - Es war 1964, als Friedrich Giese zum ersten Mal ins Saterland kam. Damals kannte ihn dort noch niemand. Das hat sich mittlerweile geändert, denn heute wird wohl ein Großteil der Saterländer „Friedel“, wie er von den meisten genannt wird, kennen. Es war vor 47 Jahren, als sich der 22-Jährige aus Bühren bei Cloppenburg auf den Weg nach Ramsloh machte. Sein Studium als Lehrer hatte er an der Uni in Vechta abgeschlossen und eine Stelle in der Ramsloher Volksschule erhalten. Ein kleines Problem hatte der junge Mann damals. „Ich wusste nicht einmal, wo Ramsloh überhaupt lag“, erinnert sich der heute 69-Jährige. Ein Bekannter habe ihm damals gesagt: „Fahr immer in Richtung Aurich, dann kommt irgendwann Ramsloh.“
Erste sprachliche Hürde
Über die alte Bundesstraße 72 erreichte er dann seinen Zielort. Ersten Kontakt machte er sofort mit der Bevölkerung, schließlich lebte der Junglehrer ein Jahr lang bei einer Familie im Ort. Er kam bei den Dannebaums unter, wo er auch gleich mit einer neuen, sprachlichen Hürde konfrontiert wurde: Dem Saterfriesischen. „Verstehen kann ich das seit damals gut, sprechen nicht besonders gut“, sagt Giese, der von Haus aus auch mit Plattdeutsch groß geworden war. Es sei nicht einfach gewesen, den Status als „Froamde“, als Fremder zu wechseln. Was Giese dabei half, war die Musik. Der passionierte Sänger und Blasmusiker wurde kurz nach Ankunft beim Männerchor „Cäcilia“ Ramsloh vorstellig. Doch er wurde nicht aufgenommen. „Damals hieß es, dass nur ,Bodenständige aufgenommen werden, und da zählte ich als Zugezogener nicht dazu“, weiß Giese noch genau. Doch das sollte sich ändern: Die Satzung des Vereins wurde kurzum geändert und 1965 wurde Giese Mitglied. Viele weitere Engagements in Musikvereinen wie über 30 Jahre in Scharrel folgten, so dass der „Fremde“ irgendwann unentbehrlich wurde. „Als ich einmal anmerkte, dass ich überlege, das Saterland zu verlassen, da erklärte der Vorsitzende, „Backjanns Heinz“, dass sie ein Tau über die Straße spannen würden“, sagt Giese.
Den Gedanken, weg zu gehen, habe er auch schnell wieder verworfen. Ein Grund war auch seine Arbeit. Nach einigen Jahren als Lehrer in der Volksschule in Ramsloh und für kurze Zeit in Hollenermoor war Giese Anfang der 70er-Jahre vor allem organisatorisch am Aufbau des Schulzentrums Saterland beteiligt.
33 Jahre Konrektor
Von 1974 bis zu seiner Pensionierung 2007 war er Konrektor und seit 1984 Realschulkonrektor der Schule. Und noch heute ist Giese im Dienst der Schule aktiv. Er ist am Internetauftritt beteiligt und hat zudem bei der Einrichtung eines großen Archivs mitgearbeitet. Alle rund 2500 eingescannten Artikel und Fotos über das Schulzentrum hat er bearbeitet und sorgt für einen immer aktuellen Stand.
Seine Tätigkeiten als Blasmusiker (er spielt Blockflöte, Trompete, Posaune, Horn und Tuba), Leiter von Bläserfortbildungen und Dirigent hat er 1998 aufgrund gesundheitlicher Probleme eingestellt. Doch seit vergangenem Jahr ist er wieder aktiv: Zuerst leitete er den evangelischen Sedelsberger Kirchenchor, der sich aber wegen Überalterung und sinkender Mitgliederzahlen auflöste. Und seit einigen Wochen ist Giese aushilfsweise der Dirigent des Singekreises Gehlenberg. „Wir hatten schon vier Auftritte und proben jede Woche“, berichtet der Musikliebhaber, der nicht nur gern Musik macht, sondern auch hört. Klassik und Jazz erklingen, wenn er seine Anlage anstellt.
Weitere Hobbys von Giese sind das Lesen, der Computer, mit dem er nicht nur Fotos einscannt und bearbeitet, sowie Partituren erstellt, sondern auch über Webcam und Skype mit der Tochter, die in Australien lebt, Kontakt hält. Auch einen Facebook-Account hat er, doch seine Freunde beschränken sich auf einen engen Kreis. Derzeit ist seine Tochter zu Besuch im Saterland. Einen festen Termin hat Giese mit ihr schon. Sie werden sich in Oldenburg die klassische Oper „Aida“ anschauen. Karten hat er schon ergattert – natürlich online.
