RAMSLOH - „Meine Mutter hat eigentlich immer geschrieben. Am Küchentisch oder auf dem Sofa, ganz egal“, so erinnert sich Bernhard Lechte aus Friesoythe an seine Mutter Gesina Lechte-Siemer. Fast 80 Jahre lang hatte die Heimatdichterin das Leben im Saterland in unzähligen Gedichten festgehalten – alle in ihrer saterfriesischen Muttersprache. Und das mit einer Leichtigkeit die nicht nur ihren Sohn beeindruckt haben dürfte: „Sie hatte das irgendwie im Blut. Da, wo andere Dichter Wochen brauchen, um etwas fertig zu schreiben, ging das bei meiner Mutter ganz schnell, als wenn das gar nichts wäre. Einfach ein Naturtalent“, sagt Bernhard Lechte.

Auch vielen Menschen im Saterland ist Lechte-Siemer, die das literarische Leben in der Gemeinde über viele Jahrzehnte geprägt hatte, noch in lebhafter Erinnerung. Auch wenn sich am Mittwoch, 6. August, zum ersten Mal ihr Todestag jährt, fühlen sich viele Saterländer noch mit ihr und ihrem Werk verbunden.

Wilhelmine Espeter, die die Dichterin gerne einfach nur „Lechte“ nannte, würdigt die großen Verdienste für die Lehre der saterfriesischen Sprache im Kindergarten: „Mit ihren Gedichten und Liedern hat Lechte uns im Kindergarten unendlich viel geholfen.“ Auch habe die Heimatdichterin mit der Übersetzung von Kirchenliedern ins Seeltersk die Grundlage für die saterfriesischen Kirchenmessen geschaffen.

Gesine Lechte-Siemer war am 13. Oktober 1911 in Ramsloh als Tochter des Schmiedemeisters Nikolaus Siemer geboren. 1928, mit 17 Jahren, begann sie zu dichten. Der damalige Ramloher Pfarrer Kokenge ermunterte sie dazu, ihre Gedichte auf saterfriesisch zu schreiben – mit entscheidenden Folgen für die saterfriesische Literatur: Vor Lechte-Siemer hatte es nur eine saterfriesische Sprichwörtersammlung von J. Böring aus dem Jahr 1901 gegeben – bis dahin die einzige schriftlich verfasste Seeltersk-Literatur.

Mit ihren Gedichten in denen sie einen Blick auf den Gang der Jahreszeiten, das Alltagsleben und die Sprache des Saterlandes warf, war sie die erste, die systematisch zur Verschriftlichung des bisher nur gesprochenen Seeltersk beitrug. „Meine Mutter hat deshalb auch ganz intensiv an der Vorbereitung eines saterfriesischen Wörterbuches mitgearbeitet“, erinnert sich ihr Sohn Bernhard Lechte, in dessen Händen sich auch der literarische Nachlass seiner Mutter befindet.

Zahlreiche Gedichte warten noch zwischen Ordnerdeckeln auf ihre Veröffentlichung.

Das bekannteste Werk der Heimatdichterin dürfte dabei die 1977 erschienene Gedichtsammlung „Ju Seelter Kroune“, die Sater-Krone sein, in der sie mit klangvoller Melodie und sanfter Rhythmik auch intensiv für den Erhalt der saterfriesischen Sprache warb. Gerade für ihr Engagement für den Erhalt des Seeltersk wurde sie vielfach von Kulturverbänden und politischen Institutionen ausgezeichnet.

In Erinnerung an Leben und Werk ihrer Heimatdichterin, soll am ersten Todestag von Gesina Lechte-Siemer, am kommenden Mittwoch, 6. August, in Ramsloh am Pfarrheim ein Gedenkstein für Gesine Lechte-Siemer eingeweiht werden.

Nach der Gedenkmesse in der St.-Jakobus-Kirche in Ramsloh, die um 8.10 Uhr beginnt, geht es zum Pfarrheim. Alle, die sich der Heimatdichterin verbunden fühlen, sind zur Teilnahme eingeladen, um zu zeigen, dass das, was Pastor Hubert Moormann in der Trauermesse sagte, den Saterfriesen eine Herzensangelegenheit ist: „Lechte, wi ferjete di nit!“