RASTEDE - Für den ganz profanen Blick nach draußen blieb den vielen Gästen im Palais am Sonntag trotz des herrlichen Herbstwetters keine Zeit, als es darum ging, die Träger des diesjährigen Kunst- und des Jugendkunstpreises der Gemeinde Rastede zum Thema „Blick nach draußen“ bekanntzugeben. In 152 Bewerbungen hatten sich Künstler damit beschäftigt. Die Jury entschloss sich, den Kunstpreis zu teilen. Er geht an Julia Willms (Amsterdam/Wien) und Gabriele Börger (Oldenburg). Der Jugendkunstpreis wurde gedrittelt – und ging Mattis Kleemann (Loy, 1. Platz), Anneke Lüers (Rastede) und Merle Mecklenborg (Metjendorf, jeweils 2. Platz).

Das Palais platzte schier aus allen Nähten, als Laudator Dr. Friedrich Scheele; Direktor des Amtes für Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg, die Entscheidung der Jury begründete – nicht ohne zuvor den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis zu „den reputierten Auszeichnungen in der regionalen Kunstlandschaft“ zu zählen. Julia Willms, 1974 in Wilhelmshaven geboren, lebt und arbeitet heute in Amsterdam und Wien. Sie wurde für ihre audiovisuelle Rauminstallation „The Picture“ ausgezeichnet, mit der sie den Betrachter auf eine Reise durch sich ständig veränderte Bildräume mitnimmt. Die Jury lobte in der Arbeit „das Verhältnis von virtueller medialer und realer Welt, das seit beginn der Video-Kunst zu den zentralen Feldern künstlerischer Forschung zählt.“

Gabriele Börger, 1961 in Oldenburg geboren, beeindruckte mit ihren drei „Gartenstücken“. Die aus zusammengenähten Leinwandstücken bestehenden und mit Aquarellfarben bemalten Bildobjekte zitieren nach Einschätzung der Jury „in ihrer Form, Farbe und Struktur die im Garten verorteten Grundsätze von Wachstum, Ordnung und Schönheit und besitzen eine starke sinnliche Ausdruckskraft.“

Den mit 500 Euro dotierten Jugendkunstpreis teilen sich Mattis Kleemann, Anneke Lüers und Merle Mecklenborg. Der 15-Jährige Mattis Kleemann wurde in Abwesenheit für seine Arbeit „Quiberon“ ausgezeichnet, die zwei Urlaubsfotografien aus dem französischen Quiberon (Bretagne) in die Tiefe eines alten Fensterrahmens setzt. Anneke Lüers (13) hat eine Mädchenfigur in ein Glasgefäß gesetzt, um seine Abgeschlossenheit von der Welt zu zeigen. Mit den auf Pappe dargestellten Möglichkeiten, was dieses Mädchen alles tun könnte, will sie Mut machen, die „kleine Welt“ zu verlassen und Spaß zu haben. Die ausgezeichnete Fotografie von Merle Mecklenborg (15) trägt den Titel „Wenn man den Blick nach draußen verliert . . .“. Auch sie will Mut machen, sich in verzweifelten Situationen an Freunde und die Familie zu wenden und selbst Hilfe zu geben. Zuvor hatte Bürgermeister Dieter Decker auf das „große öffentliche Interesse“ am seit 1987 alle zwei Jahre ausgelobten Kunstpreis verwiesen: Es mache deutlich, dass der Preis nicht nur finanziell reizvoll sei, sondern vor allem Anschub und Motivation für die weitere Arbeit bedeute. Palais-Leiterin Dr. Claudia Thoben eröffnete die Ausstellung „Blick nach Draußen“. Sie zeigt bis zum 18. Dezember Arbeiten aus dem Wettbewerb. Dazu ist auch ein Katalog erschienen. Maximilian und Sebastian de Barse (Violine und Klavier) unterhielten musikalisch.