Rastede - Das kann er doch wohl nicht ernst gemeint haben! Da feixt Francis Poulenc in seiner Musik unentwegt über alte Floskeln, oder er macht sich lustig über modernere Musiksprache. Und auf einmal singt er dann eine innige Melodie. Ach, in die könnte man sich glatt hineinlegen und versinken. Mal ehrlich, Francis, wie hast du das denn nun wieder gemeint? Die Cellistin Vashti Hunter und der Pianist Martin Klett lassen es einfach offen. Die Hörer in der ausverkauften Neuen Aula der KGS dürfen amüsiert selbst raten.
Es ist eins der Kunststücke dieses Duos. Im 24. Rasteder Frühlingskonzert des Lions Clubs verfolgen die in Berlin lebende Britin und der Leipziger Hochschullehrer eine strikte Linie. Sie lassen bei ihrem gegenseitigen Anregen und Anstacheln nichts im Ungefähren. Darstellerische und spieltechnische Fähigkeiten greifen vollkommen ineinander, wobei vom Cello sogar unaufdringlich leicht die stärkeren Impulse ausgehen. Trotzdem entzaubern Hunter und Klett die Musik nicht. Sie fordern die Fantasie und Offenheit der Hörer heraus.
Poulenc also reiht ein Aha-Moment an das andere. Man ahnt, wie es weiter geht – und fast immer folgt eine unerwartete Wendung. Auch Leos Janacek entfaltet seinen eigenen Zauber. Seine Märchenbilder „Pohádka“ erzählen eine dem „Schwanensee“ vergleichbare Geschichte. Und die Interpreten haben hörbar Freude daran, Zarensohn Iwan (Cello) und Prinzessin Marja (Klavier) zu charakterisieren.
Dagegen wäre Ludwig van Beethoven in seiner Sonate g-Moll op. 5/2 regelrecht berechenbar. Aber das ist er bei diesen beiden Künstlern eben nicht. Hunter kann ihr Spiel fast an ein Powerplay herantreiben und einen wundervoll herben Ton kultivieren. Doch ehe es ruppig wird, federt sie alles elegant ab und lässt die Hörer tief durchatmen. Klett scheut auch keine Widerborstigkeiten. So stellt sich bei aller inneren Bewegung und äußerem Auftrumpfen eine fabelhafte Gleichstimmung ein.
Solistisch nähert sich Klett zwei Préludes von Claude Debussy mit einem feinen Gespür für ihre tänzerische Empfindsamkeit. „Danseuses de Delphes“ und „La danse de Puck“ wirken bei ihm sehr konturenreich und spritzig. Auch Hunter besticht in der selten gespielten ersten Solosuite von Ernest Bloch mit ihren Fähigkeiten zu filigraner und unverwischter Zeichnung. Auch die Solostücke zählen so zu den vielen Entdeckungen dieses Abends.
