RASTEDE - In Deutschland gibt es etwa 100 000 blinde Menschen, 3500 davon sind nicht älter als 15 Jahre. Doch wie es ist, als Blinder zu leben, ist für Außenstehende nicht wirklich nachzuvollziehen, weiß auch Religionslehrerin Sonja Eitel-Harms. Gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern der Klassen 7a1 und 7b1 der Hauptschule an der KGS in Rastede hat sie sich deshalb ein besonderes Projekt überlegt: Sie wollten erfahren, wie es ist, als blinder Mensch im Alltag zurecht zu kommen.

Dafür haben sie zunächst im Deutsch- und im Religionsunterricht das Buch „Behalt das Leben lieb“ gelesen und besprochen. Darin geht es um einen 13-jährigen Jungen, der nach einem Unfall erblindet ist. Im Krankenhaus lernt er einen unheilbar an Krebs erkrankten Studenten kennen, der ihm zeigt, dass das Leben trotz des Schicksalsschlages lebenswert ist. Sechs Wochen lang war das Buch Thema im Unterricht. Und damit es nicht bei der Theorie bleibt, haben sie nebenbei selber ausprobiert, wie man sich als Blinder zurechtfindet. Dazu gehört das Erlernen der Blindenschrift Braille ebenso wie das Essen mit geschlossenen Augen. Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler erfahren, wie es ist, sich mit geschlossenen Augen in der Schule zurecht zu finden. „Das fühlt sich schon komisch an. Wenn man zu Hause ist, dann weiß man, wo alles ist“, beschreibt Yannick seine Eindrücke. Ihre Erfahrungen haben die Schüler in einer Ausstellung im Forum der KGS zusammengefasst. Außerdem haben sie einen „Erfahrungsraum“ eingerichtet. Damit auch die anderen Schüler erfahren können, was 100 000 Menschen in Deutschland Tag für Tag erleben.