REEKENFELD - „Unfertige“ Bilder stellt die 74-Jährige auf eine Staffelei in den Flur. Beim täglichen Vorbeigehen sieht sie, was noch geändert werden muss.
Von Benjamin Klare
REEKENFELD - Im Hausflur von Ursula Stiegeler steht ein Bild auf einer Staffelei. Ein unfertiges Werk, wie die 74 Jahre alte Barßelerin sagt. Täglich geht sie daran vorbei, betrachtet es intensiv und kritisch. „Mir fällt dann häufig noch etwas auf – etwas das fehlt, das mir nicht gefällt, das ich ändern muss“, sagt die Künstlerin. Es dauert eben manchmal seine Zeit, bis sie vollends mit ihrer Arbeit zufrieden ist. Und wenn nicht, hängt sie die Bilder trotzdem in ihrer Wohnung auf. „Auch die, die nichts geworden sind.“Zeichnen und malen ist schon seit ihrer Kindheit eine Lieblingsbeschäftigung von Ursula Stiegeler, die mit ihrem Ehemann Manfred seit 15 Jahren in Reekenfeld lebt. „So richtig angefangen mit der Malerei habe ich aber erst 1970, als Beruf, Familiengründung und Kindererziehung mehr in den Hintergrund traten.“
Was Maltechniken, Materialien und Motive angeht, beweist die 74-Jährige große Flexibilität. Aquarelle und Ölbilder gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Arbeiten auf Holz oder Seide. „Früher habe ich auch viel mit dem Malerspachtel gearbeitet, um den Bildern mehr Struktur zu verleihen“, erinnert sich die Barßelerin. Auf ihren Werken sind vor allem Blumen, Tiere und Landschaften zu sehen. Anregungen holt sie sich auf ihren Reisen, etwa nach Großbritannien und in die Bretagne. Auch von Motiven aus der Region oder der eigenen Fantasie lässt sich die Malerin gerne inspirieren.
Über 80 Bilder hat die Mitbegründerin der Künstlergruppe „Die Fehn-Brücke“ inzwischen bereits gemalt und etwa 30 davon verkauft. „Erst hab‘ ich nur für mich gemalt, bis ich den Mut gefunden habe, mal eine Ausstellung zu machen“, sagt die Künstlerin. „Seitdem kann ich es nicht mehr lassen und auch im Alter nicht damit aufhören.“ Das Malen, erklärt Stiegeler, gehöre einfach zu ihrem Leben. Derzeit stellt sie sechs Ölgemälde im Ramsloher Seniorenheim aus.
An eine Ausstellung in einer Gaststätte in Werlte kann sich Ursula Stiegeler noch besonders gut erinnern. Denn dort hat sie ein Bild verkauft, noch bevor sie es aufhängen konnte. „So was ist mir noch nie passiert“, lacht die 74-Jährige, „die Ausstellung hatte doch noch gar nicht angefangen.“ Der Käufer habe damals 500 DM für das Gemälde bezahlt, auf dem ein polnisches Dorf im Winter zu sehen ist. „Bisher mein teuerstes Bild“, sagt die Malerin stolz.
