REEKENFELD - REEKENFELD - An einen solchen Erfolg der von ihm begründeten Bewegung hätte Sir Robert Stephenson Smith Baden-Powell wohl selbst nicht geglaubt, als er 1907 ein erstes Zeltlager für Jungen durchführte. Damals gab der britische Ex-General seine Erfahrungen aus dem Burenkrieg in Südafrika, wo er Jungen zu Kundschaftern ausgebildet hatte, weiter – diesmal allerdings in friedlicher Mission. Es entstand die Pfadfinderbewegung. „Oder – wenn man so will – die größte und älteste Friedensbewegung der Welt“, wie Michael Harald Uecker findet.

Der Pastor aus Reekenfeld leitet seit fünf Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau Eva, die vormals eine Kindergruppe in der Kirchengemeinde ins Leben gerufen hatte, den Stamm Reekenfeld im Verband Christlicher Pfadfinder. Bereits seit 1978 geht Michael Harald Uecker seinem Hobby nach. Und was ihn als Kind schon begeisterte, fasziniert auch heute noch den Nachwuchs: „Mit der Kindergruppe kamen wir auf den Touren oft mit Pfadfindern in Kontakt“, erinnert sich Uecker. „Die Kinder wollten dann auch richtig dazugehören.“

Mindestens einmal pro Woche tauscht der Pastor nun sein Arbeitsgewand gegen das Pfadfinderkostüm ein: „Eine Tracht, keine Uniform“, wie er betont. Zahlreiche Abzeichen, nach Geschlechtern farblich unterschieden, weisen auf die Verbandszugehörigkeiten hin. Im Reekenfelder Stamm herrscht übrigens ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Viele Jungpfadfinder sind von klein auf dabei: „Das Gruppenerlebnis ist der Schlüssel zur Begeisterung.“

Immer freitags herrscht Hochbetrieb auf dem Pfarrgelände, bis zu 50 Jugendliche strömen dann zu ihren Gruppen ins Reekenfelder Gemeindehaus. Während sich im Dachgeschoss die „frechen Mäuse“ – eine Gruppe aus elf und zwölf Jahre alten Mädchen – in „Stadt, Land, Fluss“ üben, basteln die Jüngsten im Erdgeschoss eifrig an ihrem Wappentier, dem „schlauen Fuchs“. Die „coolen Koalas“, also die Neun- und Zehnjährigen, werden derweil von einem „starken Eisbären“ in Pfadfinderkunde unterrichtet. „Was muss ein Pfadfinder alles können?“, fragt der 15-jährige Christian in den Raum – und die Antworten sprudeln aus dem Nachwuchs nur so heraus: „Erste Hilfe leisten“, „Feuer machen“, „Zelte aufbauen“. . .

Keine Frage, die Praxis bringt am meisten Spaß. Deshalb geht‘s regelmäßig ins Gelände. Ob im Sommerlager oder beim Querfeldeinmarsch, dem „Hajk“: Hier können die Kinder und Jugendlichen ihrer Abenteuerlust so richtig freien Lauf lassen. „Wir haben auch im Wald keine Angst, weil wir alles zusammen machen“, erzählt Tanja (12) überzeugt.