Holdorf - Fränkische Mundart im Einklang mit plattdeutscher Sprache: Diesen Spagat hat Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug beim offiziellen Auftakt zum zehnten „plattdütschet Jaohr“ im Oldenburger Münsterland bewältigt. Wie? Während er die etwa 250 Gäste „in’n Saol bie Baucklaoge“ vom Rednerpult aus im Dialekt seiner Heimat begrüßte, übersetzten zwei Schülerinnen aus „Hollerup“ seine Worte simultan, zunächst ins Hoch- und danach ins Plattdeutsche.
„Poor Wör“ auf den Weg
Als Gastgeber der Geburtstagsausgabe einer in den Kreisen Cloppenburg und Vechta regionale Identität stiftenden Veranstaltung hatten die Organisatoren ein bunt gemischtes Unterhaltungsprogramm vorbereitet. Die Moderation übernahm der Heimatvereinsvorsitzende Bernard Echtermann – „up platt“, und gespickt mit trockenem Humor. Neben „poor Wör“ von Offiziellen, wie Ernst-August Bode (Vizepräsident der Oldenburgischen Landschaft), der beispielsweise kritisierte, dass das Plattdeutsche bei der Landesregierung in Hannover nicht in besonders hohem Ansehen stehe, und daher nicht ausreichend gefördert würde, bildeten Musik, Gesang, Sketche und Geschichten, natürlich auf Plattdeutsch präsentiert, weitere Höhepunkte.
Für Musik sorgte „dei Musikverein Hannerup-Langenbarg“. Das Orchester begleitete auch die nachfolgenden Gesangseinlagen. Das steckte an, und so griffen auch prominente Gäste, wie der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp oder sein SPD-Landtagskollege Claus-Peter Poppe zum Liedblatt.
Eigenes Gewicht hatten die Worte des Schirmherrn. Pastor em. Helmuth Middendorf stellte unter anderem klar, dass „Hollerup“ durch seine Ausrichterfunktion für ein Jahr, zum Mittelpunkt des Oldenburger Münsterlandes geworden sei. Zudem nutzte der Geistliche die ihm sichtlich willkommene Gelegenheit „für etwas Werbung in eigener Sache“, und und lud die Gläubigen zu den plattdeutschen Kirchentermine der kommenden Monate ein. Überdies gab Middendorf seinen Zuhören mit auf den Weg, sie sollten sich im Alltag nicht dem Diktat des keine Zeit habens unterwerfen, sondern inne halten. Auch dabei könne das Plattdeutsche helfen.
Ideengeber vor Ort
Die Aufmerksamkeit galt bei dieser Gelegenheit auch einem Rückblick auf die Anfänge der zur Tradition gewachsenen Initiative. So erinnerten mehrere Redner an die Ideengeber Rudi Timphus, Bernd Stolle und Peter Möllmann. Sie hatten das Plattdeutsche Jahr beim Oldenburger Münsterlandtag 2004 in Handorf-Langenberg aus der Taufe gehoben. Beim Jubiläum feierten sie natürlich mit. Die Veranstaltungsreihe besitzt Zukunft, betonte Möllmann. Mindestens, „für weitere 13 Jahre, denn so lange dauert es, bis alle 23 Städte und Gemeinden im „OM“ ein Jahr Kultureinsatz für unsere plattdeutsche Sprache erbracht haben“.
Den Abschluss markierte, wie hätte es anders sein können, ein Schulterschluss. Die Gäste sangen „Min Mönsterland ick häff die gern“.
Übrigens: Bislang umfasst der plattdeutsche Jahreskalender in Holdorf 22 Termine. Dazu gehören unter anderem eine Ratssitzung Ende Juli sowie ein Erntedank-Gottesdienst Ende September und Theateraufführungen im Oktober beziehungsweise im November. Ergänzungen sind durchaus erwünscht, wie der Bürgermeister im Laufe des Nachmittags betonte.
