• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

KRITIK: Reif für den Sprachmülleimer

16.01.2008

FRANKFURT /MAIN Mit „Herdprämie“ als Unwort des Jahres 2007 haben Sprachexperten um den Frankfurter Professor Horst Dieter Schlosser einen Begriff aus der politischen Debatte über das Betreuungsgeld ausgesucht. Anders als in manchem Jahr zuvor entschieden sich die sechs Juroren bei der 17. sprachkritischen Aktion für eine Wortschöpfung, die in der öffentlichen Diskussion häufig zu hören war.

„Ob es als Unwort kräftig genug ist, weiß ich nicht“, sagt der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Ludwig M. Eichinger. „Es ist aber ein Wort, das man normalerweise im Rahmen politischer Polemik erwarten kann.“

Nach Ansicht Schlossers ist die „Herdprämie“ auf dem Weg, ihren ironischen Ursprung zu verleugnen. Die Diffamierungsabsicht zeigten ähnliche Begriffe, die in der familienpolitischen Debatte verwendet worden seien, etwa „Aufzuchtprämie“ und „Gluckengehalt“.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will das von der CSU geforderte Betreuungsgeld nach 2013 einführen. Vorrang soll der Ausbau der Betreuungsplätze haben.

Der Begriff „Herdprämie“ zeige, „dass man mit Spott und Häme sehr schnell ein Eigentor schießen kann“, sagt der Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller, Imre Török. „So ist aus der beabsichtigten Kritik an Missständen ein diffamierender sprachlicher Missgriff geworden.“ Das Wort diffamiere alle Eltern, die aus den unterschiedlichsten Gründen die Betreuung zu Hause einem Krippenplatz vorziehen.

Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer, freut sich über die Wahl. Der Begriff müsse sofort in den „Sprachmülleimer“ wandern. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Bundestagsfamilienausschusses, Kerstin Griese (SPD), ist der Begriff nur „eine irreführende Verniedlichung des Betreuungsgeld-Problems“. Der eigentliche „Unsinn des Jahres“ sei das Betreuungsgeld selbst.

„Ein ziemlich doofes Wort und wahrscheinlich böse gemeint, aber völlig unerheblich für das, was wir an Sprachverwahrlosung heute zu beklagen haben“, sagt der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN, Johano Strasser. Was die Sprache „wirklich krank“ mache, sei die „mediale Verkürzung von Aussagen zu Kurz-Statements, das schlampige ,irgendwie‘, die Inflation der Superlative, die Verweigerung von Begründungen, der Zahlenfetischismus und die Scheinwissenschaftlichkeit“.

Die Kür des Unworts sei „selbst ein Symptom der Sprachverwahrlosung, die sie vorgibt heilen zu können“ und bewege sich auf dem Niveau von „Deutschland sucht den Superstar“.

Info: www.unwortdesjahres.org

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.