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Ausstellung Reines Weiß im tiefsten Schwarz

Regina Jerichow

Oldenburg - Schwärze im Großformat. Keine Farben, keine Menschen. Strenge von kühlem Neonlicht angestrahlt. Das könnte deprimierend sein, wenn der Blick nur flüchtig durch den Ausstellungsraum schweifen würde, doch die Bilder von Wolfram Ebersbach sind zu dominant, um nur oberflächlich angeschaut zu werden. Und der Leipziger Maler selbst empfindet keine Düsternis, im Gegenteil: „Ich habe ein gutes Verhältnis zu Schwarz“.

Chiffren einer Großstadt

Denn je dunkler es ist, desto heller leuchtet es – wie ein Ausgang oder Schlupfloch irgendwo ganz unten oder ganz hinten. Tiefstes Schwarz trifft auf blendendes Weiß. Nichts, was interpretiert oder gar mit Bedeutung aufgeladen werden müsste – obwohl es sich anbietet –, sondern einfach nur Licht. An das denkt der 69-Jährige vor allem, wenn er seine dunklen Bilder malt. Und natürlich an den Raum, den er immer weiter reduziert, den er mit wenigen heftigen Strichen ins Bild setzt. Nicht realistisch, nicht abbildend oder erzählerisch, sondern als Chiffren einer Großstadt, ebenso streng wie formal und sehr ästhetisch. Licht und Raum bilden bei ihm ein Begriffspaar und zugleich den Titel einer Ausstellung, die der Kulturspeicher Oldenburg im Stadtmuseum zeigt.

Das Staunen über die Leipziger Architektur habe bei ihm nie nachgelassen, sagt er. Da sind zum einen bedeutende Räume – das Gewandhaus etwa, das imposante Völkerschlachtdenkmal, die gotische Thomaskirche oder der Hauptbahnhof – „der größte Sackbahnhof Europas“, wie Ebersbach erläutert –, und zum anderen kommerzielle Orte wie das Labyrinth der neuen verglasten Ladenpassagen. Auch sein Atelier befindet sich in der Stadt. Er brauche die Geräusche, sagt er.

Der 1943 in Zwickau geborene Maler hat an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert, in der Fachklasse von Wolfgang Mattheuer. Anschließend arbeitete er freiberuflich. Aufträge haben ihn nicht interessiert, stattdessen hat er Werbeflächen auf Messen gestaltet. Das reichte zum Leben und zum Malen, „und ich hatte meine Ruhe“. Als er nach der Wende Maltechnologie und räumliches Zeichnen an der Leipziger Hochschule unterrichtete, blieb zum Malen wenig Zeit. Erst als Rentner ist er „wieder frei“, um durch die Straßen von Leipzig zu ziehen und um vor Ort seine kleine Aquarellstudien zu malen.

Mit Scheuerbesen

Wenn er sich dann später im Atelier ans große Format macht, haben seine Pinsel ausgedient. Dann greift Ebersbach zum Scheuerbesen, den er satt in Acrylfarbe tunkt, um sie in heftigen Schwüngen über die auf dem Boden liegende Leinwand zu ziehen, so dass die Borsten sichtbare, haptische Strukturen in der dunklen Farbe hinterlassen und den Raum formal und grafisch gliedern. Mitunter ruft Ebersbach so eine verblüffende dreidimensionale Wirkung hervor.

Wer genauer hinsieht, erkennt rasch, dass das Schwarz bei ihm gar nicht schwarz ist. Da sind Blau- oder Brauntöne beigemischt. Das Ergebnis ist eine Vielzahl von Schwarz- und Grauabstufungen. Nicht zu vergessen das Weiß, mal ist es gebrochen, fast gelblich-schmutzig, mal als unbeflecktes Stück Leinwand so rein, dass es fast heller als die dahinterliegende Museumswand leuchtet. Im Bild von der Thomaskirche strahlt es weiß durch die eigentlich bunten Glasfenster – himmelaufwärts, hoffnungs- und sehnsuchtsvoll. Wie ein Versprechen. Alles andere als deprimierend.

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