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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Reise einer verängstigten Seele

30.04.2007

OLDENBURG Poulenc hat in Oldenburg Konjunktur. Diese beifällig aufgenommene Opernpremiere und Konzerte beweisen es.

von Werner Matthes OLDENBURG - In Poulencs Oper über das Leben und Sterben der 16 Karmeliterinnen von Compiègne zur Zeit der Französischen Revolution geht es um Vieles: die Daseinsangst und die Todesangst, Glaubenszuversicht und Glaubenszweifel, Märtyrertod und göttliche Gnade.

Es geht um Gewalt, Widerstand und Ergebung und um die Stärke der Schwachen, um Gemeinschaft der Individuen und ihre Einsamkeit – und um viel Psychologie.

Das persönliche Schicksal der schreckhaften, von Angsterfahrung gepeinigten Blanche, die ihre Mutter verlor, steht im Zentrum: eine zerbrechliche, widerspruchsvolle Natur, die ein Trauma ins Kloster, in den Orden der Karmeliterinnen treibt, den scheinbar Ruhe und Sicherheit spendenden Fluchtort.

Dramatische Irritationen erwarten sie dort, als Hin- und Hergerissene zwischen Frauengestalten verschiedenster Art: der kindlich-heiteren Novizin Constance, der kranken, mit Schreckensvisionen sterbenden Priorin, der „still“gegenwärtigen Mutter Marie (die die Nonnen freiwillig ins Martyrium schicken möchte), der neuen und glaubensfesten Priorin, von der ersten durch Schicksalsergebenheit unterschieden.

Für Jörg Behr, den Regisseur der Neuinszenierung im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters, besteht diese Glaubensgemeinschaft nur als Vorstellungswelt der Blanche, als Projektionsfeld für Sehnsucht und Wünsche. Sein Kloster (Bühne: Marc Weeger) ist von der Nüchternheit eines modernen Hotels, mit mobilen Wänden.

Behr lässt Revolutionsgetümmel und Zeitkolorit außen vor, gespielt wird in Kostümen der Gegenwart. Er nutzt geschickt die Drehbühne, pflegt akkurate Personenregie und Symbole.

Ein Koffer zeigt wie ein Leitmotiv, dass die Außenseiterin Blanche im Kloster nie wirklich „ankam“. Eine Kette, der Priorin überreicht, ist Sinnbild erwarteter Bindung; eine Kette, vom Vater vor Blanche hingeworfen (bevor er sich nicht librettogerecht ersticht), markiert das Gegenteil.

Rätselhaft bleiben Ketten mit Blumen (Todesschlingen?), die Schergen den Glaubensschwestern am Richtplatz überhängen: Unter ihnen fallen sie sterbend zu Boden. Dass Blanche dieses Schicksal nicht teilt, als Weiterlebende vielmehr von Ängsten befreit an die Rampe tritt – ihr (auferstandener?) Vater hatte sie mit der Kette belegt – wirkt zwar als Utopie-Vision gut gemeint, stellt sich aber als reiner Theatertrick dar.

Anja Metzger (Blanche) besticht durch nuancierte Beseeltheit, Elisabeth Hornung (Priorin) durch Intensität und Vielfalt des Timbres, das auch grelle Töne erlaubt. Einen ausdrucksstarken Tenor zeigt Daniel Ohlmann (Chevalier/Beichtvater), als Bariton gleich eindrucksvoll: James Bobby (Marquis/Offizier). Anna Bernacka (Mutter Marie) und Irina Wischnizkaja (Constance) lassen gesanglich gebotenes Ebenmaß hören, bei Marcia Parks (neue Priorin) stehen Ausdrucksintensität und stimmliche Grenzen dicht beieinander.

Musikalisch lag Poulencs Oper, in der sich Legendenton und „psychologischer“ Ausdruck, Nachklänge von Debussy und Puccini, Strawinsky und Mussorgsky kunstvoll verbinden, bei Alexander Rumpf und dem Staatsorchester in besten Händen.

Karten: 0441/222 51 11

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