Ganderkesee - Der schärfste Kritiker von Bernd Vieregge ist vermutlich – Bernd Vieregge. Immer wenn der Stenumer einen Film fertiggestellt hat, zieht er sich daheim in den Keller zurück, aufs Sofa, „ganz entspannt“, mit dem Block in der Hand – und schaut sich das neueste Produkt auf der großen Leinwand an. „Da entdecke ich grundsätzlich Fehler. Mal in der Tonmischung, mal einen Versprecher, mal beim Schnitt.“ Dann wird korrigiert, und wieder nach Fehlern gesucht. „Ich bin Perfektionist“, sagt der Amateur-Filmer. Genau diese Eigenschaft trug wohl mit zum Erfolg einer regioVHS-Reihe bei, deren Initiator und Organisator Bernd Vieregge ist: „Kulturkino“.

Rückblick. 1973 war es, als Vieregge, eigentlich Technischer Kaufmann, mit dem Filmen anfing. Britta, seine „große Tochter“, war damals das erste Motiv. Vieregge plante eine filmische Familien-Chronik – die dann auch entstand und von ihm immer weiter fortgesetzt wird.

Mittlerweile hat Vieregge rund 400 Filme gedreht, zählt zu den Bremer Film-Amateuren, hat „schon ein paar Medaillen“ bei Film-Festspielen abgeräumt. Wenn man die Länge seiner Werke zusammenaddiert, kämen wohl etwa fünf Tage heraus, hat er ausgerechnet. Und noch eine Zahl: Für eine Filmminute rechnet Vieregge „knapp eine Stunde an Bearbeitung“. Schneiden, die richtige Musikauswahl, der Text – das sei ganz schön zeitaufwendig.

2007 begann der Filmfreund Vieregge, sich bei der VHS zu engagieren. „Wir wollten Klassiker zeigen“, beschrieb er die „Ur-Idee“ des Kulturkinos. Kultfilme sollten locken, etwa „... denn sie wissen nicht was sie tun“ mit James Dean oder „Die drei Musketiere“ mit Lana Turner. Doch das Interesse war mager. „Die drei Musketiere haben nur Frau Mohr von der VHS und ich angeguckt.“

Also wurde zum Frühjahrssemester 2008 umgestellt. „Lass uns doch Amateurfilme zeigen“, schlug Vieregge vor. Schnell sollte sich zeigen, dass da beileibe nicht die von Kritikern befürchteten „verwackelten Aufnahmen“ kamen. Eine Folge: Die Zahl der Gäste stieg. Heute kämen im Schnitt 25 bis 30 Interessierte, mehrfach war das Haus Müller „ausverkauft“.

Bislang, so hat Vieregge ausgerechnet, wurden im Kulturkino 132 Filme gezeigt – darunter 81 von ihm selbst. „Renner“ seien die Reisefilme.Das nächste Kulturkino: Montag, 30. November, 19.30 Uhr, Haus Müller, „Meine Heimat die Gemeinde Ganderkesee“ (zwei Filme von Bernd Vieregge)