Neustadtgödens - Dass religiöse Vielfalt nicht nur – wie in vielen Teilen der Welt – Krieg, Hass, Leid und Blutvergießen bedeutet, sondern Menschen unterschiedlichster Religionen auf engstem Raum auch friedlich und respektvoll miteinander leben können, dafür ist das kleine Neustadtgödens ein leuchtendes Beispiel. Das kleine Dorf beherbergt fünf Kirchen und eine Synagoge: Mennoniten, Juden, Lutheraner, Reformierte und Katholiken bauten hier einst ihre Gotteshäuser.
Religiöse Vielfalt
Dem katholischen Ostfriesland und dem 300-jährigen Bestehen der St. Joseph-Kirche in Neustadtgödens ist die neue Sonderausstellung gewidmet, die jetzt in der kleinen Kirche feierlich eröffnet wurde und bis Anfang November im benachbarten Museum im Landrichterhaus zu sehen ist. Für Frieslands stellvertretenden Landrat Bernd Pauluschke ist die einzigartige religiöse Vielfalt des Dorfes allemal ein Grund, Neustadtgödens zum Weltkulturerbe zu machen, wie er als einer der Redner zur Ausstellungseröffnung erklärte: „Die Diktatoren und Tyrannen der Welt sollten sich hier umsehen und lernen, wie religiöse Toleranz gelebt werden kann“, sagte Pauluschke.
„Katholisch und Ostfriesen – das bringt man im ersten Moment nicht zusammen“, so Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander vom Zweckverband Schlossmuseum Jever. „Ist doch der ostfriesische Küstenraum mit dem Protestantismus verbunden.“ Und doch: 1715 wurde die erste katholische Kirche der Nachreformation auf dem Gebiet Ostfrieslands in Neustadtgödens eingeweiht „Es ist bemerkenswert, dass sich eine katholische Enklave inmitten eines protestantischen Gebietes bilden konnte, zumal durch Reichs- und Landesverträge die Ausübung des katholischen Glaubens verboten war“, so Sander.
Der Bau der Kirche stand am Ende einer bereits 75 Jahre währenden Phase katholischer Religionsausübung der Herren von Gödens. Diese sorgten ganz allmählich dafür, die konfessionelle Umklammerung des Augsburger Friedens aufzubrechen, erläuterte Stephan Horschitz vom Museum im Landrichterhaus. Neben der Etablierung der ersten Jesuitenmission im östlichen Ostfriesland gestatteten die Grafen von Gödens allen christlichen Konfessionen den Bau eigener Kirchen.
Kleine Gemeinde
Gödens trug somit entscheidend zur Ausbreitung des katholischen Glaubens auf der ostfriesischen Halbinsel bei. Die mehr als 100 Jahre dauernde katholische Zeit in Gödens war zudem ausschlaggebend für die konfessionelle Vielfalt in Neustadtgödens. Der Ort erlebte seine wirtschaftliche Blüte durch die Ansiedlung verschiedener Religionsgemeinschaften. „Die in dieser Zeit gebauten Religionsgebäude sind bis heute ortsprägend“, sagt Horschitz.
Die neue Sonderausstellung zeigt neben Stücken wie Monstranz und Kirchenbüchern auch, wie die Herrlichkeit katholisch wurde, beschreibt katholische Karrieren und den Ritus der Messen.
Das Museum ist ab sofort dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
