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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Restauratorin verleiht Flügel

23.07.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-29T16:53:30Z 280 158

Staatstheater:
Restauratorin verleiht Flügel

FRAGE: Die Putten im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters sahen eigentlich immer ganz gesund aus. Was war alles kaputt am Stuck?

HEILING: Zunächst war eine umfangreiche Reinigung erforderlich. Fingerdicker Staub lag auf allen Stuckaturen. Das alles zu reinigen, war sehr mühevoll. Außerdem mussten die sogenannten Marouflage-Gemälde in der Deckenmitte, das sind Leinwandgemälde, die auf Putz geklebt sind, gereinigt werden.

FRAGE: Also waren Sie und Ihr neunköpfiges Team in erster Linie als Putzkolonne unterwegs?

HEILING: Nein, an dem Stuck wartete schon sehr viel mehr Arbeit auf uns. Es mussten viele fehlende Teile ergänzt werden, etwa bei der Putto-Gruppe im ersten Ring. An der wurde ein ganzer Flügel ergänzt. An den Stuckaturen der Decke und auf allen Rängen wurden Blütenblätter und schneckenartige Ornamente ergänzt oder lose Teile befestigt, so dass sie mindestens die nächsten 50 Jahre halten.

FRAGE: Mussten die Teile erst angefertigt werden?

HEILING: Bei den kleinen Teilen wurde der Stuck vor Ort neu angetragen und abgearbeitet. In meinem Team ist auch ein Stuckateur und Restaurator, der Schablonen gebaut und Profile nachgezogen hat, etwa bei den unteren Logen im Parkett. Das ging alles vor Ort.

FRAGE: Das Große Haus ist ja nicht gerade ein Flachdach-Bungalow. In welcher Höhe mussten Sie arbeiten?

HEILING: Das Haus war voll eingerüstet, und wir sind bis unter die Decke geklettert, ich schätze an die 20 Meter hoch.

FRAGE: Sind Sie denn schwindelfrei?

HEILING: Ja, aber ich denke, dass die meisten Menschen schwindelfrei sind. Sie sind es nur nicht gewohnt, auf so ein Gerüst zu steigen, oder trauen sich nicht. Aber man gewöhnt sich dran, hat allerdings sehr viel den Kopf im Nacken. Das ist der unerfreulichere Teil der Arbeit. Ein bisschen Sport zum Ausgleich muss schon sein.

FRAGE: Wird man nach den Theaterferien von den neuen Farben überrascht sein? Fällt das wirklich ins Auge?

HEILING: Das ganze Theater macht jetzt einen ganz anderen, viel helleren Eindruck. Wenn Sie sich erinnern: Diese dreieckigen Zwickelfelder an der Decke hatten so eine Türkisfarbe mit roten schmalen Begleitstreifen. Das waren aber nicht die Originalfarben, wie Untersuchungen ergeben haben. Tatsächlich waren die Felder sehr monochrom, in einem hell ockerfarbenen Ton und dazu die Stuckornamente zum Teil mit farbigen Lasuren gestaltet.

FRAGE: Also wird sich der Besucher im September erst einmal fremd fühlen.

HEILING: Ich habe die Decke selbst noch nicht gesehen und bin ganz gespannt. Der Raum wird vor allem viel heller wirken. Er war vorher auch nicht stimmig. Ursprünglich waren Architektur, Stuck und Farbigkeit aufeinander abgestimmt. Ich denke, der jetzige Eindruck kommt dem ursprünglichen von 1893 schon recht nahe. Der Stuck ist sehr schön ausgeführt, sehr flott und sehr gekonnt gemacht. Ich glaube, dass die Zuschauer sich wohlfühlen werden.

FRAGE: Welche Stümper waren denn vorher am Werk?

HEILING: Das ist einfach eine Frage des Zeitgeschmacks. Man hat früher oft Dinge überarbeitet. Manches sogar sehr aufwendig. Das hat aber nicht richtig zum neobarocken Stuck gepasst.

FRAGE: Weiß man, wann das Interieur überarbeitet wurde?

HEILING: Das ist schwer zu sagen, denn es gibt wenige Unterlagen zur Baugeschichte.  Man könnte die jüngste Überarbeitung in den 1970er Jahren vermuten. An der Decke haben wir bis zu vier Anstriche entdeckt, an manchen Stellen, die leicht zu erreichen waren, den Pfeilern etwa, waren es noch mehr.

FRAGE: Müssen Sie häufiger Theater restaurieren?

HEILING: Nicht so oft. Bisher hatte ich sehr unterschiedliche Objekte – von der Kirche bis zur Sternwarte. Immer etwas anderes, aber immer Wandmalerei.