Grafschaft - Damit hatte niemand mehr gerechnet: Grafschaft hat einen neuen Brunnenmeister. Thomas Blütgen stellte sich am Samstagabend bei der Brunnenfete spontan zur Verfügung.
Doch ganz so einfach war seine Ernennung zum Brunnenmeister nicht: Erst einmal mussten die Statuten abgeklopft werden. Der Vorstand reagierte flexibel – ein bisschen Drehen hier, eine spontane Mitgliederversammlung im Festzelt dort, dann eine schnelle Wahl und schon war die Sache geritzt: Am Sonntag zum großen Festumzug saßen Thomas Blütgen und seine Brunnenkönigin Ramona Emken auf dem „Thron“ im Korsowagen, den die „Püttnabers“ geschmückt hatten, und ließen sich durchs Dorf kutschieren.
Bereits am Freitagabend wurde das Brunnenfest eröffnet. Da erklärte der Vorsitzende des Brunnenvereins, Rainer Klischan, noch mit ernster Miene, das 55. Brunnenfest werde wohl das letzte seiner Art sein, die Tradition werde verloren gehen. Gleichzeitig zeigte er sich offen für eine neue Form des Fests. Zudem ließ er durchblicken, dass er den Vorsitz abgeben wolle, jüngere Leute müssten das Ruder übernehmen. Insgesamt gebe es zu wenig aktive Helfer.
Gleichwohl war das Fest wieder so üppig ausgeschmückt wie in den Jahren zuvor. Die Korsowagen bezogen sich diesmal thematisch auf den drohenden Untergang der Tradition. Ein sinkendes Schiff präsentierten die „Blumenkinder“, „Fünf vor Zwölf“ war es für die „Püttnabers“ und einen müden Drachen zeigte die „Ponygruppe“. Die Wagen waren mit Spannung erwartet worden und wurden mit Beifall begrüßt, bevor das Kinderbrunnenpaar ausgeloste wurde. Marie-Sophie Metzger (9 Jahre) und Janes Hennighausen (4 Jahre) fuhren als neues Kinderpaar im Korsowagen der Ponygruppe an der Spitze des Laternenumzugs durch den Ort.
Großen Zulauf hatte am Sonnabend auch der Flohmarkt, der sich nicht nur durch die Straßen am Festplatz, sondern auch entlang der Sillensteder Straße und auf einer extra Grünfläche ausbreitete. Erfolgreich verliefen der Seniorennachmittag und die Brunnenfete. Noch beim Einlass hatten alle erwartet, dass die Amtskette des Brunnenmeisters nun eingelagert würde. Doch dann kamen Thomas Blütgen und ein flexibler Vorstand: „Diese Tradition darf einfach nicht sterben“, sagt der neue Brunnenmeister. Ein Jahr lang hat er jetzt Zeit, ordentlich die Werbetrommel zu rühren.
