Oldenburg - Die Pauline im Haus hat bei Richard Strauß jede andere Sängerin ersetzt. Seiner Ehefrau hat er in seinen Liedern gehuldigt. Sie hat für ihn die Gesänge zuverlässig auf geschmackliche Bekömmlichkeit und technische Fertigung abgeklopft. Ob sie den klebrigen Zuckerguss vor allem über den Orchesterliedern gemocht hat, ist nicht überliefert.
Die Altistin Wiebke Lehm-kuhl jedenfalls hält von sentimentaler Soße als Schmackes über „Traum durch die Dämmerung“ oder „Morgen“ nichts. Sie bereitet den Hörern im nahezu ausverkauften Kleinen Haus einen Genuss ohne Reue. In fünf Liedern wird Strauss bei der früheren Oldenburgerin zum Meister der natürlich schwingenden Bögen, der pastellenen Farben, auch wenn das Klavier das instrumentale Raffinement ersetzt. Schönstes Beispiel: „Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“ gerät nicht zur pathetischen Floskel, sondern macht ganz schlicht menschlich Hoffnung.
Genau genommen hat es die Sängerin mit Richard Wagners fünf Wesendonck-Liedern und sieben Liedern von Johannes Brahms leichter. Die Gefühle wurzeln in ihnen tiefer, sind griffiger. Gerade in der kleinen Form zeigt sie die Vielfalt ihrer Nuancen. Etwa in „Der Jäger“ von Brahms besticht die enorme Stimmkraft, wenn sie quasi männliche Töne aus einem anderen Stimmfach malt, ohne jemals forcieren zu müssen.
Insgesamt hat der Tonanschlag bei Wiebke Lehmkuhl Leichtigkeit, aber auch Kante. Sie singt selbstverständlich und unmanieriert, changiert bruchlos durch die Register. Die Stimme wahrt einen schönen Hauch von Jugendlichkeit, auch wenn sie in Richtung großer Operngestaltung tendieren könnte. Als Kontrast nehmen überirdisch schöne Pianotöne wie in „Träume“ bei Wagner oder im Ganzen die saubere Wortartikulation gefangen. Noch scheint sie weniger auf die Entfaltung eines Individualstils bedacht als auf sinngemäße Interpretationen.
Am Klavier folgt Sarah Tysman ihr vor allem in den Nachspielen mit dem gleichen Atem. Die Französin erlangt zudem durchgängig eigene Souveränität im konsequenten Aufbau der Zusammenhänge, im Abstützen der fragilen Strukturen.
Erna Schlüter und Hildegard Behrens waren Oldenburgerinnen, die einst auf den großen Opernbühnen Karriere gemacht haben. Wiebke Lehmkuhl, Jahrgang 1983 und 2002 Abiturientin an der Liebfrauenschule, erobert jetzt die Säle in Zürich, Salzburg, Wien und Paris.
Den begeisterten Beifall in diesem Sonderkonzert der Casinogesellschaft wird sie als weiteren Ansporn mitnehmen. Drei Zugaben: Brahms/Der Salamander, Strauss/Zueignung, Schumann/Des Sennen Abschied.
