• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom leeren Raum im Kopf der Tenöre

05.09.2017

Oldenburg Ein nett lesbarer, unseriöser Opernführer schreibt Opern umso mehr Dramatik zu, je mehr Tote am Ende auf der Bühne liegen. Puccinis „Tosca” schafft vier, ebenso „Elektra“ von Richard Strauss. Seriöse Opernführer legen andere Richtwerte zugrunde, sind aber langweilig. Also bleibt der Vardigans übrig. Das ist der beste Opernführer.

Richard Vardigans sitzt im Großen Haus des Staatstheaters am Klavier und stimmt auf Richard Wagners „Walküre” ein. Knapp fünf Stunden, ohne Pausen gerechnet, wird die Premiere am kommenden Sonnabend dauern. Vardigans schafft das in zwei Stunden, einschließlich Pause.

Vardigans? Das ist ein 63 Jahre alter Brite, als Generalmusikdirekter und Chordirektor ein Theaterpraktiker. Vor allem ist er ein brillanter Opernerklärer. Der ihm eigene trockene Humor dabei ist sein Pfund, mit dem er in britischer Untertreibung wuchert.

Wenn der gesamte „Ring des Nibelungen” als Botschaft verkündet, dass nur die Liebe die Welt retten kann, dann ist Vardigans ein authentischer Erklärer.

Neun Pferde im Einsatz

Er geht die Hintergründe um Brünnhilde, Sieglinde, Siegmund, Hunding, Wotan, Fricka oder acht Walküren mit einer großen Portion Liebe zu Handlung und Musik an. „Das fühlt sich recht kompliziert an”, sagt er – und schlägt, zack, den Knoten durch.

Da taucht am Anfang einer auf, der nicht recht weiß, wer er ist. „Das ist ein Tenor”, erklärt Vardigans. Und weil Tenöre „eben den Leerraum im Kopf für die Resonanz brauchen”, tut sich schon mal eine Lücke auf. Richtig voll, auf der Bühne, müsste es dann beim Walkürenritt werden: „Da müssten neun Pferde im Einsatz sein.“ Doch er dämpft überzogene Erwartungen: „Es gibt Regisseure, die lassen glatt die Pferde weg”!

Die musikalischen Erklärungen sind in ihrer Gründlichkeit und Logik ein Markenzeichen. Vardigans kennt jedes Detail: Er weist das Motiv der Liebe auch bei Mozart nach. Und wenn Siegmund Sieglinde in die Augen schaut, „dann schwingen seine Gefühle in einer großen Sext“. Das von Siegmund locker aus dem Baum gezogene Schwert klingt schneidend in Dur, am Ende aber in Moll, denn es ist zerbrochen.

Vier Tote

Vardigans ermuntert die Oldenburger zum tapferen Besuch des Marathon-Werkes: „Falls Sie zwischendurch mal kurz einnicken, verpassen Sie nichts. Wagner wiederholt seine Motive immer wieder.“

Ein Toter und eine Scheintote stehen übrigens in der Schlussbilanz der „Walküre”. Das sind gemessen an der Spielzeit sehr wenige. Nie reicht solche Magerkost an „Die Hugenotten” von Meyerbeer mit zwei Dutzend Leichen und etlichen an Langeweile gestorbenen Zuschauern heran. Doch Geduld! Die „Götterdämmerung”, das Finale der Tetralogie, endet 2019 im Großen Haus zumindest mit vier Toten.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.