Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Musik Vom leeren Raum im Kopf der Tenöre

Horst Hollmann

Oldenburg - Ein nett lesbarer, unseriöser Opernführer schreibt Opern umso mehr Dramatik zu, je mehr Tote am Ende auf der Bühne liegen. Puccinis „Tosca” schafft vier, ebenso „Elektra“ von Richard Strauss. Seriöse Opernführer legen andere Richtwerte zugrunde, sind aber langweilig. Also bleibt der Vardigans übrig. Das ist der beste Opernführer.

Richard Vardigans sitzt im Großen Haus des Staatstheaters am Klavier und stimmt auf Richard Wagners „Walküre” ein. Knapp fünf Stunden, ohne Pausen gerechnet, wird die Premiere am kommenden Sonnabend dauern. Vardigans schafft das in zwei Stunden, einschließlich Pause.

Vardigans? Das ist ein 63 Jahre alter Brite, als Generalmusikdirekter und Chordirektor ein Theaterpraktiker. Vor allem ist er ein brillanter Opernerklärer. Der ihm eigene trockene Humor dabei ist sein Pfund, mit dem er in britischer Untertreibung wuchert.

Wenn der gesamte „Ring des Nibelungen” als Botschaft verkündet, dass nur die Liebe die Welt retten kann, dann ist Vardigans ein authentischer Erklärer.

Neun Pferde im Einsatz

Er geht die Hintergründe um Brünnhilde, Sieglinde, Siegmund, Hunding, Wotan, Fricka oder acht Walküren mit einer großen Portion Liebe zu Handlung und Musik an. „Das fühlt sich recht kompliziert an”, sagt er – und schlägt, zack, den Knoten durch.

Da taucht am Anfang einer auf, der nicht recht weiß, wer er ist. „Das ist ein Tenor”, erklärt Vardigans. Und weil Tenöre „eben den Leerraum im Kopf für die Resonanz brauchen”, tut sich schon mal eine Lücke auf. Richtig voll, auf der Bühne, müsste es dann beim Walkürenritt werden: „Da müssten neun Pferde im Einsatz sein.“ Doch er dämpft überzogene Erwartungen: „Es gibt Regisseure, die lassen glatt die Pferde weg”!

Die musikalischen Erklärungen sind in ihrer Gründlichkeit und Logik ein Markenzeichen. Vardigans kennt jedes Detail: Er weist das Motiv der Liebe auch bei Mozart nach. Und wenn Siegmund Sieglinde in die Augen schaut, „dann schwingen seine Gefühle in einer großen Sext“. Das von Siegmund locker aus dem Baum gezogene Schwert klingt schneidend in Dur, am Ende aber in Moll, denn es ist zerbrochen.

Vier Tote

Vardigans ermuntert die Oldenburger zum tapferen Besuch des Marathon-Werkes: „Falls Sie zwischendurch mal kurz einnicken, verpassen Sie nichts. Wagner wiederholt seine Motive immer wieder.“

Ein Toter und eine Scheintote stehen übrigens in der Schlussbilanz der „Walküre”. Das sind gemessen an der Spielzeit sehr wenige. Nie reicht solche Magerkost an „Die Hugenotten” von Meyerbeer mit zwei Dutzend Leichen und etlichen an Langeweile gestorbenen Zuschauern heran. Doch Geduld! Die „Götterdämmerung”, das Finale der Tetralogie, endet 2019 im Großen Haus zumindest mit vier Toten.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden